Kultur : Meeresrauschen mit Bandoneon

TANGO

Michael Schultheiss

Zwischen Instrumenten, Monitorboxen und scheinbar endlos geschlungenen Kabeln drängt sich dem Zuschauer immer wieder ein Zeichen auf: Ein angebissener Apfel auf der Rückseite von aufgeklappten Laptops. Dahinter stoisch wippende Musiker. Bei Tango & Klango in der Sonic Arts Lounge im Haus der Berliner Festspiele beschränkt sich der Tango auf elektronische Klangfetzen, die zwischen Meeresrauschen und verfremdeten Rhythmen scheinbar durch Raum und Zeit aus dem Hafen von Buenos Aires herüberwehen. „Urbano Milonga“, städtische Milonga, hat der Komponist und Klangkünstler Mario Verandi sein Projekt nach einem der folkloristischen Tangoeinflüsse aus der Pampa getauft.

Doch nicht alles kommt aus der Konserve. Bandoneon und Cello sorgen für den human touch, der das elektronische Weben zur Kunst adelt. Auch bei den 14 vom DJ eingespielten Uraufführungen dominieren die elektro-akustischen Klänge. Bei Gato Leiras und seinem Projekt „Memorias S-XXL“ blubbern erneut die Störgeräusche, der Tango ist noch reduzierter und schimmert nur durch das klagende Bandoneon auf der rauen musikalischen Oberfläche. Doch die Musik sorgt noch für eine ganz andere Melange: Es treffen das Konzertpublikum der MaerzMusik, die Neue-Musik-Szene und Berlins Tangotänzer aufeinander. In den Pausen erklingen die Klassiker der Neuen Garde, die Tanzfläche ist sofort rappelvoll.

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