Kultur : Meese vor Gericht: Hitlergruß ist Kunstaktion

Bei der Verhandlung vor dem Amtsgericht in Kassel hat der Skandalkünstler Jonathan Meese am Donnerstag freimütig zugegeben, bei einer Veranstaltung den verbotenen Hitlergruß gezeigt zu haben. Am Rande der Documenta war er im Juni 2012 auf ein Podiumsgespräch zum Thema „Größenwahn in der Kunst“ eingeladen. Den Rahmen der Veranstaltung nutzte er als künstlerische Bühne. Vor Gericht machte er nun nochmals deutlich, dass es sich bei der inkriminierten Geste um eine Kunstaktion gehandelt habe und nicht um seine private Meinung. „Ich würde doch nicht in einem Restaurant einen Hitlergruß zeigen, ich bin doch nicht bescheuert“, sagte der 43-Jährige.

Trotzdem sieht die Staatsanwaltschaft seine Handlung als höchst problematisch an, da er im gleichen Zusammenhang die Demokratie infrage gestellt und eine „Diktatur der Kunst“ gefordert habe. Vom Amtsgericht wird ihm nun das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen vorgeworfen. Angesichts der internationalen Bekanntheit des Künstlers wird das Verfahren, von großem öffentlichem Interesse begleitet. Auch einen 90-minütigen Film über die Veranstaltung von 2012 hat sich das Gericht angesehen.

Einen Beweisantrag von Meeses Anwälten zu der Podiumsdiskussion lehnte das Gericht ab. Die Verteidiger hatten in einem Gutachten klären lassen wollen, dass es dabei um eine Kunstperformance handele. Die Richter befanden allerdings, dies sei die entscheidende Rechtsfrage, über die allein das Gericht zu entscheiden habe. Daraufhin beantragten die Anwälte eine halbstündige Pause, um sich zu beraten. Danach stellten sie einen Befangenheitsantrag. Der Prozess wurde daraufhin auf den 29. Juli vertagt.

Gleichzeitig wurde bekannt, dass auch in Mannheim gegen Meese ermittelt wird. Der Künstler hatte dort bei einer Theateraufführung im Juni anlässlich der Schiller-Festspiele im Nationaltheater ebenfalls mehrmals den Hitlergruß gezeigt und eine Alien-Puppe mit einem Hakenkreuz beschmiert. Tsp/dpa

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