Kultur : Mehr Aura!

Reinhard Goebels Debüt bei den Philharmonikern.

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Kein einfacher Abend, das Konzert mit den Berliner Philharmonikern unter dem Alte-Musik-Spezialisten Reinhard Goebel. Nach eigener Auskunft möchte Goebel, der damit sein Debüt beim Orchester gibt, kein „Pultstar“ sein, sondern ein „Analyst“, der einen Konzertabend vor allem von den Werken her denkt. Nun trifft er auf ein Spitzenensemble, das dabei zwar mitspielt, und nicht so richtig mitzieht. Kaum verwunderlich, bedenkt man, dass selbst der berühmte Chaos-Part aus Rebels „Symphonie nouvelle“ mit seinen grauen Clusterklängen oder Cannabichs Symphonie C-Dur für zwei Orchester gewissermaßen ferne Musik für einen solchen Klangapparat sind, überhaupt, das Repertoire des 18. Jahrhunderts den großen Atem der späteren Symphonik einfach noch nicht kennt. Zudem möchte Goebel zwar kein Pultstar sein, aber trotzdem massiv in das Ensemblespiel eingreifen, am augenfälligsten wohl an einer kostbaren kammermusikalischen Stelle in Johann Christian Bachs Orchestersuite zu „Amadis de Gaule“, an der sich Flöte, Klarinette, Fagott und Horn zu schönem Gesang vereinen – und Goebel lässt die Musiker auch hier nicht in Ruhe, tütert in jedes einzelne Achtel mit hinein, ein Meister der Detailkontrolle. Die Abhängigkeit des Orchesters von Pultstars ist an diesem Abend deutlich zu spüren. Weniger Kleinklein, möchte man rufen, längere Bögen, stärkere Aura! Und Übungen wie diese, auch wenn sie ganz sicher zu einem prima Feinschliff führen, nur hinter verschlossenen Türen! Christiane Tewinkel

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