Mehr LICHT! (2) : Flämmchen werfen

von

Zwischen den Feiertagen wird die dunkle Jahreszeit immerhin von allerlei Lichtern erhellt – von den Baumkerzen bis zum Silvesterfeuerwerk. In unserer kleinen Serie erforschen wir leuchtende Beispiele.

Klick, schnipp, klack. George Clooney steht in einer Bankfiliale und beobachtet das Treiben. In den Händen hält er ein Benzinfeuerzeug, das er ständig aufschnappen lässt, mit einem Mittelfingerschnipser gegen das Rädchen entzündet und wieder zuklappt. Ein schicker Trick, den der elegante Bankräuber Jack Foley da in Steven Soderberghs „Out Of Sight“ (1998) aufführt. Vielleicht hat er sich den bei seinem etwas fieseren Kollegen Mr. White aus Tarantinos „Reservoir Dogs“ (1992) abgeschaut. Der von Harvey Keitel gespielte Gangster macht ebenfalls den Schnipser, um das Feuerzeug zu entzünden. Wenn die Flamme allerdings nach ein paar Anläufen nicht aufflackert, bedient er es auf konventionelle Weise. Schließlich ist er – anders als Clooneys Räuber – Raucher, da geht Sucht schon mal vor Coolness.

Feuerzeuge werden im Film besonders häufig von Cowboys, Soldaten und Verbrechern benutzt. Als harte Typen müssen sie natürlich rauchen. Dem Benzinfeuerzeug-Hersteller Zippo hat das über die Jahre ziemlich viel Gratiswerbung auf der großen Leinwand eingebracht. Die Filmografie des Feuerzeugs umfasst laut Hersteller über tausend Titel. Sie reicht von „Apocalypse Now“ über „Dirty Dancing“ und „Fargo“ bis hin zu Animationsfilmen wie „Wall-E“. In jüngerer Zeit sind Feuerzeuge – bis auf Ausnahmen wie den derzeit laufenden „The Counselor“ oder Tarantino-Filme – allerdings in Historienfilme sowie Werke aus Osteuropa abgedrängt worden. Nur dort werden noch viele Zigaretten angezündet.

Die Verdrängung des Rauchens aus dem öffentlichen Raum hat auch das Kino erfasst. Richtig cool ist Qualmen einfach nicht mehr, was man auch daran sieht, dass die Raucherquote unter deutschen Jugendlichen im letzten Jahr auf den historischen Tiefststand von zwölf Prozent gesunken ist. Und wer sich doch noch eine anzündet, benutzt heutzutage in der Regel ein billiges Einwegfeuerzeug vom Späti. Die nachfüllbaren schweren Modelle sind total Neunziger. Offenbar steckt die Feuerzeugkultur in der Krise. Was ein bisschen schade ist, denn es gibt ja noch andere Anwendungsmöglichkeiten. So wirkt die klassische Feuerzeugballade im Popkonzert viel romantischer und herzerwärmender, wenn sie von lauter kleinen Flämmchen illuminiert wird. Mobiltelefondisplays, die der moderne Mensch im Konzert hochhält, können mit ihrem kalten bläulichen Licht da einfach nicht mithalten.

Zum Kerzenanzünden sind natürlich Streichhölzer stilvoller – schon wegen des schönen Abbrenngeruchs. Nur bei Wunderkerzen, Raketen und Böllern hat das Feuerzeug noch eine Monopolstellung. Hier ist die Benzinvariante schon deshalb vorteilhaft, weil man nicht ständig neu zünden muss. Und nach der Knallerei kann man die anderen Gäste mit dem Schnipstrick von Clooney und Keitel unterhalten. Vielleicht findet sich sogar noch ein Raucher ohne gute Vorsätze, dem man Feuer geben kann.

– Bisher erschienen: das Irrlicht (27.12.)

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben