Kultur : Mehr Licht!

Der Rundfunkchor Berlin bittet zum Fest in den Dom

Carsten Niemann

Von den vielen erkrankten Musikern des aktuellen Konzertmonats fehlt Thomas Hengelbrock besonders schmerzlich. Denn nur dieser Dirigent mit seiner Vorliebe für knackige musikalische Thesen könnte erzählen, welche Idee hinter seinem unorthodoxen Weihnachtsprogramm für den Rundfunkchor Berlin stand. Unter der kundigen Sachwaltung des eingesprungenen Michael Gläser aber will sich das thematische Band nicht knüpfen: Für das angekündigte „Fest über das Kommen des Lichts“ fehlt es an Kontrastreichtum, könnten etwa in Regers geistlichen Gesängen die helleren Harmonien deutlicher strahlen oder in Palestrinas „Missa Hodie Christus natus est“ zu den feierlich patinierten warmen Farben auch das frische Chiaroscuro restaurierter Renaissance-Malereien treten.

Für eine sinnlich-kritische Auseinandersetzung mit der preußischen Romantik und der Musik der Gründerzeit, die das Programm im Dom auch hätte werden können, fehlt es wiederum an Biss. Symptomatisch, dass Michael Gläser das bestürzende Programmende mit György Ligetis „Lux aeterna“, das nach kühn-kühlen Lichtspiegelungen in sieben Takten schwarzer Stille mündet, durch die unironischen Zugaben konterkariert – und mit „Stille Nacht“ auch noch zur denkbar süßesten Weihnachtspraline greift.

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