Kultur : Mehr Markt: Pläne für das Filmfest Venedig

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Der neue Leiter der Internationalen Filmfestspiele Venedig, Alberto Barbera, will das älteste Festival der Welt in den kommenden Jahren deutlich verändern. Barbera, der die Mostra auf dem Lido bereits von 1998 bis 2002 geleitet hatte, will die Anzahl der Filme im Gesamtprogramm reduzieren und vor allem einen Filmmarkt etablieren, der bei dem am Mittwoch startendenen 69. Filmfest zum ersten Mal stattfinden soll. Anders als bei den anderen beiden großen Festivals in Cannes und Berlin existierte in Venedig bislang kein parallel veranstalteter Markt. Außerdem, so der 62-Jährige, will er den Regienachwuchs stärker unterstützen.

Paolo Baratta, der Präsident der Biennale, zu der neben der Kunst-, der Tanz-, Theater-, Musik- und ArchitekturBiennale auch das Filmfest gehört, hatte ihm während der Vertragsverhandlungen seine Unterstützung für diese Projekte zugesichert. Noch vor zehn Jahren habe er gedacht, ein Markt für Filmkäufer und -verkäufer sei hier nicht notwendig, sagte Barbera. „Um Filmemacher zu unterstützen, muss man aber die Möglichkeit bieten, dass sich Kunst und Industrie, Kultur und Markt treffen.“

Ebenfalls zum ersten Mal findet mit dem Biennale College Cinema eine Art Labor für junge Filmemacher aus der ganzen Welt statt. Barbera zufolge sollen 15 Filmemacher ausgewählt werden, die eine Idee für einen Debütfilm haben; in Venedig sollen sie mit Mentoren arbeiten. Drei Projekte sollen ausgewählt werden, die die Biennale dann gemeinsam mit Sponsoren kofinanziert. 150 000 Euro pro Film steuert das Festival bei. Jeder Filmemacher hat dann fünf Monate Zeit für die Realisierung des Projekts; die drei Werke sollen im Folgejahr dann auf dem Filmfestival präsentiert werden.

Die diesjährigen Filmfestspiele werden am Mittwoch mit Mira Nairs Thriller „The Reluctant Fundamentalist“ eröffnet. Im Wettbewerb konkurrieren 18 Filme um den Goldenen Löwen, darunter Produktionen von Paul Thomas Anderson, Terrence Malick, Brillante Mendoza, Brian de Palma, Takeshi Kitano und Ulrich Seidl. Jury-Vorsitzender ist Michael Mann; das Festival endet am 8. September. dpa/Tsp

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