Kultur : Mehr reisen

Galerist Matthias Arndt sieht die klassische Arbeit des Kunstvermittlers am Ende – und wird Agent

Foto: Bernd Borchardt
Foto: Bernd Borchardt

1994 gründete Matthias Arndt als einer der ersten westdeutschen Galeristen seine Galerie im Osten der Stadt. Damit gehört er zu den Pionieren der jungen internationale Kunstszene in Berlin. Künstler wie Sophie Calle, Thomas Hirschhorn und Nedko Solakov – allesamt Biennale- oder Documenta-Teilnehmer – gehören zu seinem Programm, viele hat er erstmals in Berlin ausgestellt. Aktuell präsentiert er in der Ausstellung mit Gemälden Anton Henning einen seiner erfolgreichsten Künstler. Nun will er seine Galerie zum Ende des Jahres schließen.

Weshalb hören Sie nach über 300 Ausstellungen und 75 Messebeteiligungen auf?

Ich beende den Galeriebetrieb und verabschiede mich damit von dem traditionellen Modell der Programmgalerie. Aber ich höre nicht auf. Im Gegenteil, ich werde globaler arbeiten und eine neue Form der Vermittlung ausloten, die effizienter auf die sich wandelnden globalen Interessen von Künstlern und Sammlern antwortet.

Was hat Sie dazu bewogen?

1994 habe ich die Galerie gegründet, um meiner Liebe zur Kunst eine Form zu geben. Die Künstler brauchten einen Raum in dieser Stadt, bis vor kurzem fehlten große Ausstellungsflächen, und umgekehrt brauchte Berlin damals eine international ausgerichtete Initiative. Jetzt sehe ich große Teile meiner Mission erfüllt. Über 18 Jahre lang konnte ich viele Künstler erfolgreich in ihrer Platzierung unterstützen. Dass die Galerie auch kommerziell erfolgreich war, hat mich oft selbst überrascht.

Dann zwingen Sie keine finanziellen Erwägungen zum Kurswechsel?

Nein, denn ich habe ein gut funktionierendes Unternehmen aufgebaut, von dessen Erfolgen die Galerie und ich ohne Mühe weiterexistieren können. Trotzdem will ich sehr bewusst einen Schnitt setzen, vor allem aus der Überzeugung heraus, dass sich die Bedürfnisse des Marktes verändern. Ein lokal ausgerichtetes Modell wie eine Galerie stößt da, selbst wenn sie international arbeitet, an Grenzen.

Wie sehen diese Grenzen aus?

Galerie und Künstler stehen teilweise in einem Interessenkonflikt. Der Künstler will sich international positionieren, er braucht globale und langfristige Strategien und unterschiedliche Partner: Galerien, Museen, Sammler auf der ganzen Welt. Ein Künstler denkt an die Kunstgeschichte, an die Ewigkeit. Eine Galerie orientiert sich eher mittelfristig, denn sie muss die Struktur für die Platzierung der Künstler finanzieren.

Seit zwei Jahren sind Sie nicht mehr zur Art Basel zugelassen. Ist das auch ein Grund für Ihren Rückzug aus dem Galeriegeschäft?

Warum sollte es? Nach zwölf Jahren Teilnahme an der exklusiven Art Basel befinde ich mich auf der Warteliste für 2011 in einem mindestens ebenso exklusiven Kreis: Vielen der Kollegen, deren Arbeit ich schätze, geht es wie mir. Auf die Qualität meiner bisherigen Arbeit und die meines Programms habe ich diese Platzierung, nie bezogen, meine Künstler und Kunden übrigens auch nicht.

Was motiviert dann Ihren Entschluss?

Ich möchte mich globaler orientieren, meine Expertise exklusiv und konzentriert zur Verfügung stellen: für Sammler, die an der repräsentativen Werkauswahl einer Generation oder Region interessiert sind. Oder für Künstler, für die ich globale Strategien mit Partnern auf der ganzen Welt entwickeln kann, ohne dass mir die Interessen als Galerist im Wege stehen. Dabei interessieren mich im Augenblick vor allem Asien und Südostasien, denn dieser Kunstmarkt boomt. Mein Raum in der Potsdamer Straße, im neuen Berliner Kunstzentrum, wird weiterhin als internationale Plattform dienen, dort stellen wir im September in der Ausstellung Asia: Looking South eine Gruppe von Künstlern aus Indonesien, den Philippinen, Malaysia, Singapur und Thailand vor. 2012 folgen weitere wie Natee Utarit, als dessen Agent ich in Europa und im Westen fungieren werde.

Interview: Angela Hohmann

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