Kultur : Mein Freund, der Bush

KUNST

Jens Hinrichsen

Südwärts – ein Wort, das wärmt. Sechzehn Künstler und Künstlerinnen, die ihre Präsentation „Southbound “ nennen, kommen aus Skandinavien. Der Maler aus Kopenhagen, die Videoartistin aus Trollhättan zogen gen Süden und landeten – an der Spree. Die Ausstellung im einstigen Kaufhaus an der Leipziger Straße zielt nicht auf Skandinavien-Hype nach dem Vorbild der „Young British Artists“. Hier präsentieren sich die Nutzer eines Berliner Künstler-Netzwerks nördlicher Provenienz. Sie verbindet ein unterkühlter Humor und der scharfe Blick für Phänomene.

Lasse Lau aus Sønderborg hat sich in eine Berliner Besonderheit verliebt, den Durchsteckschlüssel. Seine Telefonate zwecks Recherche hat er als CD produziert: Wer es nicht weiß, erfährt, dass der Patentschlüssel an beiden Enden einen Bart hat. Durch die Mechanik der Schlösser ist man gezwungen, von der inneren Seite auch abzuschließen. Für Lau ein symbolischer Vorgang: Der Emigrant muss Brücken hinter sich abbrechen. Mit dem Gegensatzpaar privat/öffentlich spielt Lise Harlev (ebenfalls Dänemark), ihre farbigen Wandaufkleber kommen wie Werbebotschaften daher. Im Kontrast zum lauten Litfass-Charakter ihrer Gestaltung gibt sie darin persönlichste Empfindungen wie ihre erotischen Vorlieben preis. Von finsterem Humor ist die panoramaartige Video-Erzählung von Egill Sæbjörnsson: Ein gitarrequälender Countrysänger und klischierte Südseebewohner werden von einem mächtigen Atompilz aufgeschreckt. Ganz vorn im Videopanorama, Unverständliches aus einem draufprojizierten Mund brabbelnd, ein pappkameradenhafter Busch. Den kann man getrost abweichend buchstabieren. (Leipziger Str. 54, bis 13. März, Mittwoch bis Sonntag 12 Uhr bis 18 Uhr).

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