Kultur : Mein Freund, der Mehlwurm

BENEFIZ-KONZERT

Ulrich Pollmann

Muss es denn eine Frau sein? Warum wählen wir nicht Loriot zum Bundespräsidenten? Wer übertrifft ihn darin, einen generationen- und milieuübergreifenden Konsens zum Ausdruck zu bringen? Unvergleichlich, wie er Habitus und Rituale des alten gehobenen (und weniger gehobenen) Bürgertums liebevoll bespöttelt und eben dadurch wach hält. Ein schönes Doppeljubiläum ist Anlass für einen Loriot-Auftritt in der Philharmonie . Loriot wird 80, das Scharoun Ensemble 20. Der Erlös kommt dem Afghanistan-Projekt „Zurück zur Schule“ der UNICEF zugute. Es dürfte sich gelohnt haben, die Philharmonie war rappelvoll.

Loriots Texte zum „Karneval der Tiere“ strotzen nur so von gespreizter Eitelkeit, aber auch von liebenswürdiger Selbstbehauptung des Individuums. Wer der manieriert-kultivierten Unterhaltung zwischen Mehlwurm und Elefant lauscht, ahnt, dass es vielleicht doch eine Alternative zum Vulgärjargon der Massengesellschaft gibt: „Ich kenne überhaupt nur eine lebende Tänzerin von Rang: Meine Frau.“ Geschlossenen Auges stellt man sich Loriot auf seinem vertrauten Jugendstil-Sofa vor, um ihn dann auf einem kleinen blass-gelben Sitzmöbel vorzufinden. Und das Scharoun Ensemble? Hoffen wir mal, das Herr Sarazin nicht zugehört hat. Wenn die mit neun Spielern so dicht und farbig klingen wie ein ganzes Orchester, könnte man auf den Gedanken kommen, den Rest der Philharmoniker auch noch einzusparen. Alles eine Frage der Imagination.

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