Kultur : Mein Freund ist Ausländer Zu den Plakaten im Kulturteil

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Manchmal klingt Werbung für Menschenrechte in Deutschland etwas kumpelhaft. Der Slogan stammt aus den frühen Neunzigerjahren, als die fremdenfeindlichen Anschläge von Rostock, Solingen und Mölln eine Flut von Kampagnen gegen Gewalt und Rassismus auslösten. „Fass’ meinen Kumpel nicht an“, stand auf Aufklebern oder „Ich bin ein Ausländer“. Eine gewisse Hilflosigkeit fällt auf bei diesen TextBild-Botschaften. Der Mensch, um den es geht, ist Ausländer, er ist sehr nett, kann aber nicht so gut Deutsch. Man muss ihm deshalb helfen, seine positiven Seiten zu zeigen.

Plakate, die für die Integration von Ausländern werben, gibt es, seitdem Ausländerbeauftragte existieren, also seit 30 Jahren. Auf diesen Seiten dokumentieren wir Beispiele. Frühe Poster zeigen Ausländer als Quasi- Hiergeborene, nur an den ein wenig dunkleren Haaren von den Original-Hiergeborenen zu unterscheiden. „Meinen Kunden macht es richtig Spaß, bei mir einzukaufen“, versichert der türkische Gemüsehändler Mehmet Kalay. Sein Landsmann Cafer ist genervt davon, dass er in manche Disco nicht reinkommt, „über die Musik könnte man sich doch prima verstehen“. Im Jahr 2000 wird die Verkäuferin Sema A. als „Inländerin mit ausländischem Pass“ vorgestellt. Dass es auch anders geht, mit Witz und Sarkasmus, zeigt ein Studentenwettbewerb: Da steht über einem verriegelten Jägerzaun „Willkommen in Deutschland“ und ein Sarotti- Mohr schwenkt die Deutschlandfahne. chs

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