"Mein Führer" : Holocaust-Forscher Loewy verteidigt satirischen Umgang mit Hitler

Der Holocaust-Forscher Hanno Loewy hat den satirischen Umgang mit Adolf Hitler und der Judenvernichtung verteidigt.

Frankfurt/Main - Kurz vor dem Kinostart des Films "Mein Führer" von Dani Levy schrieb Loewy in der "Frankfurter Rundschau": "Warum stellt niemand die Frage, ob eigentlich jene Leute, die meinen, über Hitler dürfe man nicht lachen, ,verdächtiger' sind als solche, die über dessen Lächerlichkeit lachen müssen, um halbwegs den Verstand zu behalten?" Statt dessen werde nun wieder diskutiert, ob der Film "hilfreich für die Aufklärung oder schädlich für die politisch-moralische Erinnerungsgesundheit" sei.

Satire, so Loewy, "scheint am Ende vielleicht doch die einzige Form zu sein, in der selbst-bewusst die eigene Schwäche (und sei es die Unmöglichkeit, über Hitler irgendetwas wirklich ,Bedeutendes' zu sagen) zum Ausdruck kommen, genauer: belacht werden kann." Levys Film und Helge Schneider als Hauptdarsteller müssten danach beurteilt werden, ob sie die Möglichkeiten der Satire "ergriffen oder aus Vorsicht vor politischer Inkorrektheit doch verpasst haben".

Loewy leitet das Jüdische Museum Hohenems in Österreich. Er war von 1995 bis 2003 Gründungsdirektor des Frankfurter Fritz-Bauer-Instituts. (tso/ddp)

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