Mein KUNSTSTÜCK : Entlarvende Ödnis

Dennis Bertrams möchte Rock-Klischees verbieten

Die E-Gitarre: Neben der Atombombe oder dem Bikini ist sie wohl eines der zentralen mythischen Objekte des 20. Jahrhunderts. Und sie steht zumeist für das Versprechen von Freiheit, männlichen Subjektivitätswahn und ähnlichen Unsinn. Der Ungarin Hajnal Németh gelingt es in ihrer Videoinstallation Guitar-Solo, dies alles verschmitzt zu dekonstruieren. Sie klappt die Peripherie nach innen. Plötzlich wird das, was der Konsument eigentlich gar nicht sehen darf (für ihn hat nur die funkelnde, glatte Oberfläche des Endproduktes eines Popsongs interessant zu sein) schonungslos ausgestellt: die Langeweile des Entstehungsprozesses im Tonstudio. Während man aus dem Off belangloses Geblubber der Toningenieure hört, steht ein Gitarrist in seinem Glaskasten und probt vor sich hin. Er wartet anscheinend darauf, dass die Aufnahme losgeht, dreht noch an den Knöpfen seines Verstärkers herum und übt ein paar Riffs. Dabei verfällt er schlimmer- und lustigerweise immer wieder in typische Rockstarposen des phallisch-masturbatorischen Gegniedels – und das, obwohl er sich unbeobachtet wähnt.

Collegium Hungaricum

Berlin, Karl-Liebknecht-Str. 9, bis Mi 4.7., Mo-Fr 9-20 Uhr,

Sa u. So 15-20 Uhr

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