Mein KUNSTSTÜCK : Geld oder Leben

Christina Tilmann erprobt ihre Geschäftstüchtigkeit

Christina Tilmann

Man hat die Wahl – lieber im Alleingang den Feldzug des Fürsten finanzieren, oder sich mit den anderen Mitgliedern der Jüdischen Gemeinde zusammentun. Besser einen etablierten Kaufmann heiraten oder einen armen, aber brillanten Talmud-Schüler? Knifflige Rollenspiele: Das Jüdische Museum Berlin widmet sich in einem neu gestalteten Teil seiner Dauerausstellung der Rolle der Hofjuden an deutschen Fürstenhöfen. Namen wie Veitel Heine Ephraim aus Berlin (dem die Stadt das barocke Ephraim-Palais verdankt), Isaak Jakob Gans aus Celle oder Michael May aus Mannheim werden erklärt, exemplarische Objekte gezeigt, und anhand eines computergesteuerten Glücksspiels kann man seine Tauglichkeit zum Hofjuden erproben. Sicherheit oder Risiko, Geschäftssinn oder Mäzenatentum – es war ein riskantes Lavieren, welches die Rolle der deutschen Hofjuden im 18. Jahrhundert kennzeichnete. Gefragt als Geldgeber mit Prägerecht zur Vorbereitung von Feldzügen, oft aber auch beneidet oder ausgegrenzt: Sie blieben Fremde, abhängig von der Gunst des Fürsten – und wären doch gern ganz akzeptiert gewesen.

Jüdisches Museum Berlin, Lindenstr. 9-14, tgl. 10-20 Uhr, Mo bis 22 Uhr, 5 €, erm. 2,50 €

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