Kultur : Mein lieber Schwan

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SOTTO VOCE

Jörg Königsdorf über

einen Tanz mit dem Taktstock

Ballettvorstellungen an Opernhäusern haben musikalisch nicht eben den allerbesten Ruf: Weil die Musik es in den allermeisten Fällen nicht mit der Ausdrucksdichte großer Opern aufnehmen kann, wird sie oft auch schlecht gespielt - dass beispielsweise ein Chefdirigent sich herablässt, eine Opernpremiere oder gar eine Repertoirevorstellung zu leiten, hat Seltenheitswert. In Berlin ging allein Daniel Barenboim mit gutem Beispiel voran und dirigierte einige Vorstellungen von „Nussknacker“ und „Schwanensee“ -leider bislang ohne Nachahmereffekt. Die Chance, dass wenigstens die Feuilletons gegen die musikalische Unterversorgung der Ballettkompagnien protestieren, ist gering: Denn Ballettvorstellungen werden nun einmal von Tanzkritikern besprochen, denen Orchester und Dirigent meist auch nur eine pauschale lobende Erwähnung wert sind. Umso lobenswerter ist es, dass man sich an der Staatsoper echte Mühe gibt, Vladimir Malakhovs Spitzentruppe bei Tschaikowskys „Schwanensee“ (wieder am 21. u. 25.2.) akustisch angemessen über die Bühne zu bringen. Der junge Kapellmeister Felix Krieger kitzelt jedenfalls den geforderten, zugleich saftig orchestralen wie rhythmisch flexiblen Tschaikowsky-Sound aus der Staatskapelle heraus und sorgt dafür, dass die Spannungskurve des Balletts auch durch die zahlreichen stauenden Bravoureinlagen fühlbar bleibt. Und mit dieser Unterstützung ist es kein Wunder, wenn Malakhov noch höher springt als sonst.

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