Kultur : Mein lieber Schwan!

UWE FRIEDRICH

Chor und Orchester sind ganz aufgeregt: "Ein Wunder ist gekommen, ein unerhörtes, nie gesehnes Wunder!" Da geht eine Tür auf, ein befrackter Tenor geht zur Mitte des Podiums und bedankt sich beim Schwan für treue Dienste.Ein letzter Rest von szenischer Aktion schleicht sich in die konzertante Aufführung von Wagners "Lohengrin" im Konzerthaus und wirkt prompt lächerlich.Wer kommt eigentlich auf die Idee, gerade diese Oper konzertant aufzuführen? In Berlin haben beide großen Häuser die Oper im Angebot.Der einzige Grund, vier Stunden auf den unbequemen Konzerthausstühlen auszuharren, wäre überragende musikalische Qualität, die allerdings nicht durchgängig geboten wurde.

Doris Soffel gibt ihr Rollendebüt als Ortrud und weiß als einzige der vier Hauptsolisten wirklich, was sie singt.Sie gestaltet den Text, singt detailreich bis in die Vokalfärbung.Mit technischer Kunstfertigkeit, dramatischer Kraft und gut fokussierten Piani bietet sie ein Rollenprofil, das auch ohne Bühne interessiert.An technischer Sicherheit wird sie nur von Dietrich Henschels souveränem Heerrufer übertroffen.Vincent Le Texiers erweist sich hingegen als krasse Fehlbesetzung; dieser Telramund schlägt mit heiserem Brüllen viele Zuhörer in die Flucht.Elisabeth-Maria Wachutka hat als Elsa ebenfalls mit Problemen zu kämpfen.Die Stimme verhärtet, wird unflexibel und spricht in höheren Regionen gelegentlich nicht an.Das Quintett im ersten Aufzug wabert unentschieden zwischen den Tonarten.Bewundernswert, daß der Chor danach einigermaßen sauber einsetzt.Dirigent Fabio Luisi nimmt das Werk erfreulich geschwind, läßt kein Pathos aufkommen.Das MDR-Sinfonieorchester spielt mit der nötigen Geschmeidigkeit, überwältigend im Forte, unaufdringlich schön im Piano.Und Lohengrin? Leicht angestrengt bietet Norbert Orth solides Mittelmaß.

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