Kultur : Mein Rücksitz gehört mir

Eine

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von Christiane Peitz

Stell dir vor, du suchst dein Ich und findest es nicht. Psychologen, die mächtige Menschen nach ihrem Machtverlust betreuten, können ein Lied davon singen. Keine Bodyguards mehr, keine Scheinwerfer, kein Stress: Das macht Stress. Anfangen ist schwer, Aufhören auch. Plötzlich ist Zeit und Raum für das eigene Seelenheil, allein die Seele hat sich in all den Karrierejahren verkrümelt. Die wichtigste Droge des Menschen ist der Mensch, sagen die Experten. Wenn kein Mensch mehr hinguckt, ist der Menschenmengenbad-Gestählte unweigerlich auf Entzug. Es soll Spitzenpolitiker geben, die nach ihrer Abwahl jeden Tag in der Zeitung verstohlen nach ihrem Namen suchen. Der einstige Top- Manager Daniel Goeudevert fühlte sich nach seinem Abgang so hilflos wie ein neugeborenes Baby.

Ex-Kulturstaatsministerin Christina Weiss, eine der abgetretenen Heldinnen von sieben Jahren Rot-Grün, hat es da noch ganz gut. Sie sucht nicht ihre Seele, sondern nur ihren Tankdeckel. Im Magazin „Cicero“ beichtet sie freimütig, am tückischsten bei ihrer Rückkehr in die Normalität sei die Sache mit dem Auto. „Wo ist der Tankdeckel? Wie geht das Ding überhaupt auf?“ Einmal sei sie versehentlich hinten eingestiegen. „Vorne saß aber kein Fahrer mehr.“ Fahren ohne Fahrer: Solche Lenker braucht das Land.

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