Kultur : Meine erste Banane - Ein Sachse erobert den Kudamm

Norbert Tefelski

Sächsische Befindlichkeiten, jetzt auch am Kudamm: Die Besucher der Komödie sind reineweg aus dem Häuschen, wenn Uwe Steimle "säfsche Feischen" sagt. "Seifige Feigen", übersetzt er widerwillig; künftig solle, wer was nicht kapiert, seinen Nachbarn fragen. Lautstarke Signale des Wiedererkennens honorieren Anspielungen und Schlagworte, bei denen der West-Chronist nur Ostbahnhof versteht. Wie, was: zehn Jahre her? Nicht für Ex-Parteisekretär Günther Zieschong, der die "neue Zeit" damit verplempert, von der Mokkamilcheisbar zu träumen. Hinterm heimischen Idiom lauert ein unheimlicher Idiot, kleinkariert bis ins Beinkleid. Diese zweite Ebene rechtfertigt hausbackenes Tümeln, mit dem sich Steimle an seine Zielgruppe ranschmeißt - und auch den populistischen Titel "Günther allein zu Haus". Wir sind aber doch alle mit ihm, wenn er uns in der rundum gelungenen zweiten Hälfte durch eine Kirche dirigiert. Einen Barockaltar suggeriert, wo Wohnzimmersperrmüll aus den 50er Jahren zu sehen ist. Inmitten dieses surrealen Bruchs fällt Zieschong aus seiner Fremdenführer-Rolle. Ursache: anfallsartige "Ostalgie". Steimle hat zu guter Letzt auch den letzten Westalgiker im Sack der ausgefeilten Inszenierung (Regie: Heinz Drewniok). Bühnenschauspieler und TV-Kommissar ("Polizeiruf 110"), unterscheidet er sich angenehm von jenen Hochkunstmimen, die sich gelegentlich in Kleinkunstniederungen begeben. Als perfekter Interpret seiner eigenen Texte übertrifft er manch preisgekrönten Nur-Kabarettisten.Komödie am Kurfürstendamm, bis Do, 20 Uhr

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