Kultur : Meine Frau auf’m Klo

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SCHREIBWAREN

Jörg Plath proudly greets:

die halbe Welt

Es beginnt mit einer Berliner Tagung der französischen Gruppe für experimentelle Literatur Oulipo . Tagsüber schreiben Anne Garréta, Jacques Roubaud, Oskar Pastior und die anderen nach selbstaufgestellten Sprachspielregeln, abends lesen sie daraus: „Oulipoesie“ am 20., „Ouliprose“ am 21. und „Oulistoire“ am 22.5. (jeweils ab 20 Uhr). Oulifragen stellen Sie bitte im Literaturhaus .

Haben Sie gemerkt, dass ich bis hierher ganz oulipolistisch den Buchstaben „v“ vermeiden konnte?

Den Jemen besuchten HansMagnus Enzensberger, Volker Braun, Durs Grünbein und Joachim Sartorius im September 2000, und seitdem stellen die Berliner Festspiele in lockerer Folge arabische Poeten vor. Am 20.5. lesen in deren Haus (20 Uhr) der Literaturnobelpreisträger Günter Grass und die 1967 geborene Irakerin Amal Al-Jubouri. „Wenn du Eins bist“, heißt es in Al-Jubouris Gedicht „Schleier der Religionen“, „und deine Lehre Eins ist, / warum dann hast du unsere Kindheit in der Thora beschrieben, / unsere Jugend in der Bibel ausgeschmückt / und dann alles / in deinem letzten Buch wieder verwischt? / Warum hast du uns, / die Bekenner des einen Gottes zur Uneinigkeit geführt? / Warum erscheinst du uns unterschiedlich, / obwohl du der Einzige bist?“ Grass und die im Berliner Exil lebende Autorin sprechen über die arabische Welt nach dem Irak- Krieg.

Aus dem Nahen Osten in den Fernen: Meera Nair ist Inderin, hat aber in den USA studiert und geheiratet. Zwischen Herkunft und Wohnort, traditioneller und amerikanischer Kultur vermitteln ihre „Video“-Erzählungen (Kindler) ironisch und zärtlich: In der Titelerzählung sieht ein junger Mann zufällig und erstmals einen westlichen Pornofilm, was weit reichende Konsequenzen hat. Seine Frau residiert ab sofort auf der Toilette und organisiert den Widerstand der Nachbarschaft. Nair liest am 22.5. in der Indischen Botschaft (Tiergartenstr. 17).

Zurück ins Alte Europa: Anka Muhlstein und Louis Begley („About Schmidt“) sind ein schreibendes Ehepaar und zwei Wochen im Jahr Wahl-Venezianer, worüber sie in „Venedig unter vier Augen“ (marebuch) plaudern. Die französische Biografin erzählt Familiäres und Begley von einem amourösen Abenteuer, das mit den Gondeln in Venedig anhebt. Fotos und eine kleine Revue der Venedig-Literatur von Henry James, Marcel Proust, Thomas Mann und Begley („Mistlers Abschied“) gibt es auch noch. Mistler fährt übrigens nicht Gondel, sondern Vaporetto, und Muhlstein/Begley lesen nicht im Italienischen Kulturinstitut, sondern bei Karstadt am Hermannplatz (22.5., 4. Etage, 20 Uhr).

Und nun zu einem Portugiesen, der den Stimmen der vom Krieg Versehrten in dem Buch „Tigerbucht“ (Ammann) Raum gegeben hat: Pedro Rosa Mendes . Auch sein eben fertig gestelltes „Atlántico“ über ein Hotel, das zwischen 1941 und 1964 zum Kreuzungspunkt von Schicksalen aus aller Welt wird, hält sich an keine Genregrenzen. Es ist ein Puzzle aus Fotografien, Kino, Theater und Poesie, Dokumentation und Fiktion ( daadgalerie , 22.5., 20 Uhr).

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