Kultur : Meine Sprache: Rudolf Walter Leonhardt gedenkt der Bocklosigkeit

In einer Hamburger Schulzeitung las ich unlängst den schönen Satz: "Die Bocklosigkeit der Lehrer raubt die Lust zum Lernen." Wer des Nachschlagens bedarf, findet im Lexikon die Redewendungen "auf etwas Bock (Lust) haben". Später folgt dann noch "Bockbier", "Bockspringen" und "Bocksbeutel" (für eine bauchige Flasche).

Der lernunlustige Schüler mag an einen Spruch der achtziger Jahre gedacht haben, mit dem junge Leute behaupteten, ihren "Bock verloren" oder "Null Bock" zu haben. In Wirklichkeit ist die Herkunft des Worts "Bock" und seiner Zusammensetzungen viel älter. Der "Bocksbeutel" ist ein spezifisches Diktum aus dem Jahr 1755, wurde booksbüdel gesprochen und meinte den Beutel für das Gesangbuch. Eine weibliche Figur mit dem Gesangbuch im Beutel an der Hamburger Petrikirche (vernichtet im Brand von 1842) scheint diese Etymologie zu bestätigen. Als Benennung einer Flaschenart für Würzburger Edelweine geht das Wort Bocksbeutel jedoch (nach Friedrich Kluge) eigentlich auf den "Hodensack des Bocks" zurück, wegen der eigentümlichen Form der Flasche.

Eine andere Bedeutung von "Bock" und damit auch von "Bocklosigkeit" leitet sich aus der Zigeunersprache her, wo "bokh" Hunger bedeutet - also: kein Hunger gleich keine Lust gleich null Bock.

Bleibt jene Bocklosigkeit, die den Lehrern die Lust nimmt und, wie eine gefährliche Krankheit, die Schüler infiziert. Oder umgekehrt. Die Gründe für Niederlagen und Versagen liegen nie allein auf einer Seite. Wenn ich jedoch zurückdenke an meine Lehrmeister, waren diejenigen, bei denen das Lernen nicht immer die reinste Freude war, nicht gerade die, an die ich mich am besten erinnere.

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