Kultur : Meine Sprache: Rudolf Walter Leonhardt hört, wie einst die Alten sangen

Jeder, der spricht, beschäftigt sich mit Sprache, ob er nun will oder nicht. Und jeder, der sich mit Sprache beschäftigt, tut gut daran, immer mal wieder einem der großen Meister zuzuhören. Was sie über unsere Sprache gesagt haben, ist es auch heute noch wert, zur Kenntnis genommen zu werden.

1. Johann Gottfried Herder (1744-1803), Prediger des Evangeliums und der deutschen Sprache: "Sprach- und Schulmeister sind die ersten, die die Sprache verderben, dass sie, wie sie wollen, zu nichts taugt. Sie polierten das Instrument so lange, bis es zum Anschaun oder Aufhängen ward." Auch einer, dem diese Auffassung sympathisch ist, kann die Schulmeister nicht einfach in den Orkus schicken. Wer auf die Frage "Wie sagt man das auf Deutsch?" die Antwort bekommt, "das können Sie so sagen oder auch so", kann damit wenig anfangen. Gewiss, "der Meister darf die Form zerbrechen" - aber nicht jeder ist ein Meister. Und was tun wir, wo es gar keine Form gibt?

2. Immanuel Kant (1724-1804), Philosoph, streng und präzis im Sprachgebrauch: "Ich frage, ob nicht ein jedes aus einer fremden Sprache entlehnte Wort in einer feierlichen Rede wie ein Spielwerk, wie ein Flittern klingt." Wer lange genug in der "Kritik der reinen Vernunft" gelesen hat, sehnt sich manchmal nach einem bisschen Spielen und Flittern. Meister Goethe hat dem denn auch hinzuzufügen: "Wer fremde Sprachen nicht kennt, weiß nichts von seiner eigenen." Und: "Der Deutsche soll alle Sprachen lernen, damit ihm zu Hause kein Fremder unbequem, er aber in der Fremde überall zu Hause ist."

3. Heinrich Heine (1797) war das trocknen Tons leicht satt. Dann schrieb er: "Sie sprechen eine Sprache, die ist so reich, so schön. Doch keiner der Philologen kann diese Sprache verstehn." Wenn man sich so umsieht, dann schneiden, verglichen mit anderen Lesern, die Philologen gar nicht so schlecht ab. Sie stellen eher selten die Frage, die an den großen elsässischen Philologen Ernst Robert Curtius einmal gestellt worden ist: "Herr Professor, was meinen Sie eigentlich damit?" Niemals werde ich die Antwort vergessen: "Ich meine genau das, was ich gesagt habe. Wenn ich etwas anderes gemeint hätte, dann hätte ich etwas anderes gesagt." Ich gestehe, dass ich mich beim Schreiben oft unter dem Diktat dieser Maxime fühle.

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