Kultur : Meine Sprache: Rudolf Walter Leonhardt über Hunde, Menschen, Rassen

Wenn wir noch richtige Christen wären, gute alte Christen, dann hätten wir einen Kummer weniger, einen weniger auf alle Fälle. Wir brauchen die Sippen und Stämme und Völker nicht zu individualisieren, nicht Einzelwesen herauszugreifen, als Einzelwesen zu benennen. Des Menschen Mensch war ein Mensch. Eines Hundes Hund war ein Hund. Man braucht es nicht komplizierter vorzustellen und kann doch ein Christ bleiben, wenn man etwas Metaphysik gelten lässt. Von Ungezählten wählen wir zwei, die in letzter Zeit Unfrieden gestiftet haben.

Da gibt es süße kleine Hunde, die sich gern streicheln lassen. Dazu freilich auch andere, meistens größere. Wir bezeichnen sie als Mastiff, Bulldogge, Bullenbeißer. Die sind, heißt es, böse, ja mörderisch. Es gibt andererseits schöne Bulldoggen, von deren Liebheit und Tapferkeit ihre Besitzer wahre Wunder zu erzählen wissen. Nur manchmal haben sie Ärger und vielleicht Grund dazu. Dann sollen diese Hunde an Leinen hinter Gittern festgelegt oder gar umgebracht werden. Ist das gerecht? Die Eigentümer können nicht davon überzeugt werden.

Ist das mit Menschen ganz anders? Mit Terrorisierten und Terroristen? Mit Kriegsgefangenen? Mit Sklaven? Mit Rassen? Wir Älteren in diesem deutschen Land können die Worte "Rasse" oder "Klasse" kaum noch hören. Aber ein Schweigen bleibt nicht. Vor kurzem waren es in Irland die Katholiken und die Protestanten, Nachbarn wie Sie und ich, selten besonders religiös, die einander zusammenschlugen. Neuerdings sind es "asiatische" Jugendliche mit denen zusammen die "Protestanten" in Nordengland für irischen Frieden sorgen. Von "Rassenunruhen" ist die Rede, auch von "Klassen". Es gibt immer wieder einen Vorwand und je unsinniger die "Klassen" gewählt werden, desto schwerer ist es, ein Ende zu finden. Europa bleibt eine Menge zu tun, nicht nur auf dem Balkan.

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