Kultur : Meine Sprache

Rudolf Walter Leonhardt hat für uns seit letz

Mein Freund Kurt studierte Arabisch. Ich studierte die üblichen europäischen Sprachen, Russisch einbezogen. Weshalb ich als normal galt; Kurt hielten alle, nicht ganz ohne Bewunderung, für verrückt. Es waren Zeiten, in denen Studenten noch hungerten. Uns interessierten nur die kleinen Summen, die wir hier und da verdienen konnten. Außer den Ziffern, die schließlich auch arabisches Erbgut waren, interessierte uns wenig aus dem Lande Mohammeds, dessen Bewohner wir damals noch Mohammedaner nannten.

Das Geld gehört natürlich auch in die Welt der Sprache. Aber es erschöpft sich nicht in abstrakten Symbolen, sondern es hat selbst konkrete Namen, in arabischen Ländern Piaster, Dirham oder Afghani. Oft haben diese Namen ihre eigene Bedeutung. Ich hätte damals mehr zusammen mit Kurt lernen sollen. So aber kann ich nur auf Deutsch demonstrieren, wie sich die Zahlenwelt in die Wortewelt integriert. Denn das geschieht nicht nur bei den Arabern.

Wie entscheidend die mit Zahlen verbundenen Wörter den Sinn bestimmen, zeigen alle Arten von Messungen. Als welche Werte die 15 Meter, Meilen, Megahertz verstanden werden sollen, hängt ab von den Wörtern, die den Zahlen folgen: Gramm, Dezigramm oder Kilogramm. Auch viele Zahlenfragen sind ohne Wörtererweiterungen nicht zu beantworten. Wie alt ist das Kind? Sind das wirklich schon Rentner? Können Sie mir sagen, ob dieser Baum gefällt werden darf? Wie tief ist der See?

Manchmal gehen die benötigten Auskünfte noch weiter. Sie erreichte ein hohes Alter. Und wie entsteht das Alter, das wir "biblisch" nennen? Warum sind im Lotto Zahlen über 30 nachteilig? Die schönsten Zahlen gelten nichts, wenn man sie nicht durch die notwendigen Worte ergänzt.

Zu einer großen internationalen Veranstaltung waren 783 Teilnehmer eingeladen, etwa zur Hälfte Frauen, zur Hälfte Männer. Küche und Service verfügten über ein Personal von vierhundert oder mehr. Aber eins fehlte aufs schmerzlichste: Dolmetscher. Eine Katastrophe - wären da nicht die halbglobalen Könner, die einer anspruchsvollen Konversation halbwegs folgen können. Für ein plauderndes Papperlapapp reicht es auch ohne Dolmetscher. Aber für seriöse Diskussionen geht es nicht ohne 50 Prozent Englisch, 25 Prozent westeuropäische Sprachen, 15 Prozent osteuropäische Sprachen, 10 Prozent Exotisches. Denken Sie dran. Dann werden Sie an auch an Kurt und mich denken.

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