Kultur : Meinen Segen hat er

„Magic Hands“: Der Magnum-Fotograf Elliott Erwitt schaut den Menschen auf die Finger

Frank Peter Jäger

In einem Fotografenleben kommen eine Menge Bilder zusammen, und wenn die Fotografen in die Jahre kommen und berühmt werden, ist es meist Zeit für eine Retrospektive, die die herausragendsten Arbeiten präsentiert. So ist es auch bei Elliott Erwitt, dem in Paris lebenden, heute 75-jährigen Fotografen der berühmten Agentur Magnum. Das Besondere an der kleinen Auswahl aus seinem Schaffen, die jetzt in der Landesvertretung Rheinland-Pfalz zu sehen ist, ist das verbindende Thema: In allen Bildern spielen Hände eine besondere Rolle. Es sind die Hände von Unbekannten, die Elliott auf seiner Reportage-Reisen durch die ganze Welt vor die Kamera kamen, aber auch die von Staatsmännern und Künstlern – die zerfurchten, zum Segen erhobenen Hände eines schwarzen Predigers in Alabama, die fleischigen Pranken französischer Fischer im Hafen von St. Tropez oder die zierlichen Hände des junge Fidel Castro, der mit nachdenklicher Miene an einer Zigarre saugt. Titel der Ausstellung: „Magic Hands“.

Zum Durchbruch verhalf Erwitt ein Foto, das 1959 beim Staatsempfang auf der internationalen Moskauer Industrie-Ausstellung entstand: Der amerikanischen Präsident Nixon wirft Nikita Chruschtschow einen zornerfüllten Blick zu und setzt ihm allen protokollarischen Spielregeln zum Trotz herausfordernd den Finger auf die Brust. Das Foto ging um die Welt und wurde zum Symbol der Ost-West-Konfrontation auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges. Welche Freundlichkeitsfloskeln die Staatsmänner ein paar Augenblicke zuvor auch gewechselt haben mögen – die Hände sprachen ihre eigene, unversöhnliche Sprache. Anthropologen meinen, weltweit gebe es an die 5000 unterschiedliche Gesten. Am Ende ist man einer Meinung mit dem Fotografen, der davon überzeugt ist, dass die Begegnung zweier Menschen oder der Charme einer Alltagssituation erst dann wirklich ins Bild gesetzt ist, wenn auch die Hände und ihre Bewegungen zu sehen sind. Ausgerichtet wird die Ausstellung von dem Pfälzer Kamerahersteller Leica.

Landesvertretung Rheinland-Pfalz, In den Ministergärten 6 (Mitte), bis 7. Sept. tgl. 10–20 Uhr. Der im Schirmer/Mosel Verlag erschienen Katalog kostet 10 €.

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