Kultur : Meister der Bescheidenheit Steve Winwood

im Admiralspalast.

H. P. Daniels

Die Band bildet einen freundlichen Halbkreis auf der Bühne des Admiralspalasts, spielt sich lässig ein mit jazzig ruhigem Folk. Schlagzeug, Querflöte, Percussions. Links außen biegt Steve Winwood seinen Oberkörper über die Hammond B3, in schwirrende Klänge. Mit beseelter Stimme singt er „Rainmaker“. Ganz offensichtlich ist er lieber Ensemblespieler, Teil einer Band, als sich in eitle Solo-Posen zu werfen.

Paul Booth tauscht die Flöte gegen verschiedene Saxofone. Edison Da Silva klopft karibische Rhythmen in die Congas. Richard Bailey kontrastiert mit leichthändigem Wirbeln und kräftigen Akzenten am kleinen Schlagzeug. José Neto funkelt abwechslungsreich auf einer schwanenartig geformten elektroakustischen Gitarre. Und scheinbar mühelos ersetzt Winwood einen Bassisten, so elegant, wie er mit seinen Füßen auf den Hammond-Pedalen tanzt.

Das gestreckte Orgelintro über einem einzelnen Akkord geht in tosenden Jubel über, als die Fans am chromatischen Akkordabgang endlich den Song erkennen: „I’m A Man“ war 1967 einer seiner großen Hits mit der Spencer Davis Group. Winwood lacht: Ja, er spiele heute ein paar sehr alte, ein paar alte und ein paar halbwegs alte Songs.

Es ist eine erlesene Werkschau aus einer bemerkenswerten fünfzigjährigen Musikerkarriere. Sie zeichnet sich vor allem durch diese berauschenden Mischung aus R & B, Folk, Jazz, lateinamerikanischen, afrikanischen und karibischen Rhythmen aus , die der inzwischen 65-jährige Winwood mit seiner wunderbaren Gruppe Traffic zwischen 1967 und 1974 kreiert hatte, in Songs wie „Low Spark Of High Heeled Boys“, „Empty Pages“, „Dear Mr. Fantasy“. Zu einem weiteren Höhepunkt im Berliner Konzert werden die Blind-Faith-Songs von 1969 „Can’t Find My Way Home“/ „Had To Cry Today“, zu denen Steve Winwood akustische und elektrische Gitarre spielt. Dem ansonsten eher filigranen Sound verleiht das eine angenehm ruppige Note.

„Back In The High Life Again“ strahlt dann wieder besondere Ruhe aus und glänzt mit Winwoods folkgeplickelter Mandoline. Nach zwei Stunden und „Gimme Some Lovin’“ stehende Ovationen im Admiralspalast für einen außerordentlichen Musiker mit einer exquisiten Band. H. P. Daniels

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