Kultur : Meister von morgen

Die Sieger des Bundeswettbewerbs Gesang in der Komischen Oper Berlin

Frederik Hanssen

Im Shop der New Yorker Metropolitan Opera wird ein Buch mit dem Titel „Keine Angst, Baby!“ verkauft, ein vergnüglich zu lesender Ratgeber für junge Opernsänger, die ihr Glück in Deutschland machen möchten. Mit ihrer einmaligen Stadttheater-Landschaft gilt die Bundesrepublik in der ganzen Welt immer noch als Eldorado. Von Flensburg bis Passau trifft man in den Theatern auf Spanier, Chinesen, Russen, Italiener, Briten und eben auch Amerikaner, die sich in der deutschen Provinz fit machen wollen für die internationale Karriere.

Das macht den Berufsstart für einheimische Nachwuchssolisten nicht gerade leichter. Wie gut, dass es seit 1966 den Bundeswettbewerb Gesang gibt, jenen nationalen Sängerstreit, der je im Wechsel in den Bereichen Oper/Konzert und Musical/Chanson ausgetragen wird. 239 Bewerber gab es diesmal, bei der Endrunde in der vergangenen Woche in Berlin konnten sich elf Teilnehmer Preise ersingen. Satte 50000 Euro stehen zur Verfügung – am wichtigsten aber ist für die jungen Sänger der Auftritt beim Abschlusskonzert. Und auch am heikelsten.

Zur Klavierbegleitung in einem kleinen Raum zu reüssieren, ist eben doch etwas anderes, als in der Komischen Oper aufzutreten, Kirill Petrenko und das volle Orchester hinter sich, 1000 kritische Zuhörer vor sich. Und so entbrennen in der Pause regelmäßig die Diskussionen, warum nun ausgerechnet dieser oder jene den ersten Preis eingeheimst hat, wo die oder der doch auf der Bühne viel souveräner, mitreißender wirkt.

Um es unparteiisch zu sagen: 2004 präsentiert sich ein durchweg guter Sängerjahrgang. Peter Schöne räumt als „Così“- Guglielmo und Rossini-„Barbiere“ mächtig ab, weil er ein Theatermensch durch und durch ist. Auch Silke Schwarz weiß, wie man mit Tönen flirtet: Als „Mignon“- Titania trifft sie genau jenen Divertissement-Tonfall, der die französische opéra comique so charmant machen kann.

Ein idealer Heldenbariton ist Martin Berner, breitschultrig, mit Riesenorgan – doch er besingt den „holden Abendstern“ so wehmütig-feinsinnig, dass man ihn damit am liebsten schon morgen in einer Inszenierung erleben möchte. Bühnenreif zeigen sich auch Susanne Ellen Kirchesch mit ihrer souveränen Interpretation von Joseph Schwantners „Shadowinnower“ sowie Tina Scherer als Anne Trulove aus Strawinskys „Rake’s Progress“ (mit dem sichersten Spitzenton des Abends). Ulrike Mayer nimmt durch verhaltenen Schmerz als Gluck-„Orfeo“ für sich ein, Tobias Berndt durch Textgenauigkeit, Martina Schilling durch sensible Phrasierung bei Künnekes „Strahlender Mond“. Neugierig auf ihre weitere stimmliche Entwicklung machen Barbara Heising und Franziska Rauch. Allein Stefanie Iranyi findet erst im kollektiven „Fledermaus“-Finale zum entspannten Singen – im Arm des begeistert mitschmetternden Moderators Jochen Kowalski.

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