Kultur : Melancholie in Reizwäsche

Die norwegische Künstlerin Berit Myreboe bei Jarmuschek

Peter Herbstreuth

Berit Myreboe fand für ihre Ambivalenz gegenüber Fotografie und Malerei eine integrale Lösung. Ihre Bilder auf Zink- und Aluminiumplatten stammen aus der Fotografie und präsentieren sich als silberverspiegelte Malerei. Vor drei Jahren war sie neben Franz Gertsch, Gerhard Richter und Thomas Ruff in der Lausanner Ausstellung „Die Körper vergehen, die Bilder bleiben“ zu sehen. Seither zeigt die 1968 in Norwegen geborene Fotomalerin ihre Werke bei Jarmuschek. Sie lebt seit 1990 in Berlin und entwickelte ihre Grundlagen an der Hochschule der Künste. Sie druckt Fotografien mit Kopiertoner auf Metall, retuschiert und bessert nach, um dann eine Art Xerox-Kopie zu fixieren.

Verglichen mit vorigen Ausstellungen ist die aktuelle karg. Früher schienen Schatten junger Frauen in leichter Kleidung durch den Raum zu schweben und Besucher spiegelten sich als Irrlichter in ihrer Umgebung. Die Grenzen zwischen Bild- und Realraum verflossen. Und es war die Stärke der Hängungen, dass sie die Raumillusion in eine tatsächliche Situation im Raum verwandelten. Da Myreboe dem performativen Charakter im Bild Raum gab, schien die Basis für eine Karriere mit kunsthistorischen Standards gemacht. Man sah Vanitas-Motive mit Melancolia in Reizwäsche. Alle Frauen waren allein. Alle ließen sich von einer Kamera beobachten. Manche erwiderten den Kamerablick mit scharfem Gegenblick. Andere stellten sich in Posen, die man aus Modemagazinen und Standbildern von „Basic-Instinct“ zu kennen meint. Dabei standen die Figuren als Reizmaterial im Bild und vollendeten sich im imaginären Raum der Verführung.

Manche Sammler hatten das missverstanden und machten Myreboe kunstfremde Angebote. Deshalb hat sie ins Spröde umgeschwenkt und zeigt Varianten eines fahlen Körpers mit zugeknöpfter Jacke (je 3500 Euro). Sie werden im Büro der Galerie von früheren Bildern kontrastiert (1500 bis 6000 Euro). Bei allen suggerieren Metall und Toner eine unterkühlte Nähe, die zur emotionalen Temperatur städtischen Lebens gut passt und die Bilder trotz der Intimität der Motive zu öffentlichen Bildern macht. Ungewiss, ob die Verbindung hält. Irgendwann schwindet der Toner im Tageslicht. Myreboe schließt Verführung und Vergänglichkeit kurz. Die Bilder vergehen wie die Körper in der Zeit. Und steht man im spitzem Winkel zu den Alu-Platten, sind sie schon im Licht verschwunden.

Galerie Jarmuschek, Sophienstraße 18, bis 25. Oktober, Mittwoch bis Freitag 14 bis 19 Uhr, Sonnabend 11 bis 17 Uhr

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben