MELODRAM „Black Snake Moan“ : Dämonische Triebe

Jan Schulz-Ojala

Lazarus: Der Name verpflichtet. In der Bibel steht er mit Jesus’ Hilfe nach drei Tagen von den Toten auf, in „Black Snake Moan“ tut der gleichnamige alte Bluessänger anderweitig Gutes – auf christliche Weise, versteht sich. Gerade von seiner Frau recht rüde verlassen, findet er eines sonnigen Tages ein hübsches, aber ziemlich zugerichtetes Ding auf dem Sandweg vor seiner Südstaatenhütte. Das Mädchen wiederum, Rae mit Namen, hat gerade selber mancherlei seelische und körperliche Schmerzen erdulden müssen: Erst hat sich ihr Freund Ronnie zur Armee abgemeldet, dann hat sie ihr nymphomanisches Temperament wieder in Clubs und Kaschemmen sowie die Arme muskulöser Schwarzer getrieben, und zuletzt ist sie von einem Kumpel Ronnies auf dem Heimweg von einer stürmischen Open-Air-Feierlichkeit fast vergewaltigt worden. Klarer Fall für Lazarus: Dieses Mädchen sollte doch, in Dreigottesnamen, auf den besseren, den guten Weg zu bringen sein.

Starker Tobak das alles – und richtig ernst zu nehmen? Zumal das Mädchen während der ersten Hälfte des Films überwiegend in Slip und Top herumläuft (Sexploitation!) und der gute, von Samuel L. Jackson verkörperte Schwarze namens Lazarus (Blaxploitation!), indem er das läufige Mädchen zwecks Heilung von dämonischen Trieben mit einer Kette an einen schweren Heizkörper bindet, selber auf drastische Weise ihre Läuterung befördert. Und tatsächlich darf angesichts der Rückkehr Ronnies und manch anderer himmlischer Wendungen unter tatkräftiger Mithilfe eines freundlichen Pastors und einer guten Seele von Apothekerin vom bestmöglichen Ausgang des insgesamt groben Geschehens ausgegangen werden.

Immerhin: Die amerikanische Kritik ist verwirrt. Und beeindruckt. Wohl vor allem wegen der Schauspielerleistungen. Samuel L. Jackson gibt den strengen, aber in tiefstem Herzen milden Patriarchen mit Sangessinn, Justin Timberlake als Ronnie dürfte international vor allem das Mädchenblut in Wallung bringen, und Christina Ricci als Rae hat als groß- und glutäugige Sexbesessene mit schlimmer Vergangenheit den allerdankbarsten Part. Seien wir unheilbaren Kino-Voyeure drum gottlos ehrlich: Christina Ricci ist der einzige Grund, sich diesen Film anzusehen. Dampfendes Südstaatendrama. Jan Schulz-Ojala

„Black Snake Moan“, USA 2006, 115 Min., R: Craig Brewer, D: Samuel L. Jackson, Christina Ricci, Justin Timberlake

0 Kommentare

Neuester Kommentar