Kultur : Mensch Mannequin

Vorbesichtigungen und eine Auktion bringen den Berliner Fotomarkt in Schwung

Katrin Wittneven

Während das Kölner Auktionshaus Lempertz am kommenden Wochenende erstmalig eine seiner Fotoauktionen nach Berlin verlegt, kündigt auch das Auktionshaus Phillips, de Pury & Luxembourg mit Glanzstücken aus der Seagram Collection in der Berliner Filiale einen echten Höhepunkt an. Die mit einem Schätzpreis von 1,8 bis 2,7 Millionen Dollar hoch dotierte Auktion dieser 700 Fotografien umfassenden einzigartigen amerikanischen Sammlung wird mit 350 Losen zwar erst Ende April in New York stattfinden, aber 26 Einzelwerke sind am kommenden Freitag für einen Tag bereits in Berlin zu sehen, darunter Klassiker von Louis Faurer, Walker Evans, Weegee und Paul Outerbridge (Schätzpreise zwischen 7000 und 50 000 Dollar). Die großen Themen der Fotografie des 20. Jahrhunderts sind hier zu finden: neben der Architektur und formaler Fragestellungen natürlich der Mensch, wobei die Kollektion des amerikanischen Industriellen nicht nur das Leben im 20. Jahrhundert dokumentiert, sondern auch die Entwicklung der Fotografie zum eigenständigen künstlerische Medium mit hochkarätigen Beispielen begleitet. Es wird die letzte Vorbesichtigung bei Phillips am Kurfürstendamm sein, im Mai eröffnet das Auktionshaus neue Räume in der Auguststraße 19 in Berlin-Mitte, wo zukünftig die Präsentationen aus den Bereichen zeitgenössische Kunst, Design und Fotografie stattfinden sollen.

Zeitlich breiter angelegt ist der 272 Lose umfassende Katalog von Lempertz. Mitte des 19. Jahrhunderts beginnt das Angebot, das größtenteils aus einer deutschen und einer amerikanischen Privatsammlung stammt, und reicht mit Werken von Andreas Gursky und Thomas Struth bis in die neunziger Jahre. Zu den frühen Höhepunkten zählt das Album „Vues de Paris en Photographies“ von Edouard Baldus mit 47 Albuminabzügen von Stadtansichten (Taxe 11000 -13 000 Euro). Im zwanzigsten Jahrhundert überzeugt Lempertz traditionell mit einem Angebot exzellenter Stücke von Peter Keetman, Albert Renger-Patzsch und Heinz Hajek-Halke. Mit acht Vintages von dem 1903 in Hamburg geborenen Fotografen Herbert List gibt es eine große Auswahl aus dessen stillem, fast magischem Werk (Taxen zwischen 1600 und 3000 Euro). Das 1966 von Man Ray herausgegebene Buch „Les Mannequins“ mit 15 Gelatinesilberabzügen zeigt von ihm 1938 auf der Pariser Surrealismus-Ausstellung fotografierte Schaufensterpuppen (Taxe 12000 -14 000 Euro). Bei den Zeitgenossen überzeugen vor allem die experimentellen Arbeiten von Jürgen Klauke – angesichts der omnipräsenten Becher-Schule von Höfer, Gursky und Co. tritt dagegen inzwischen eine gewisse Müdigkeit ein.

Vorbesichtigung Lempertz: Linienstraße 153, 8.–11. April. Die Versteigerung findet am 12. April um 14 Uhr in den Räumen von C/O Berlin statt (Linienstraße 144).

Vorbesichtigung Phillips, de Pury & Luxembourg: Kurfürstendamm 50, 11. April, 9–18 Uhr.

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