Kultur : Mensch & Tier

Don Van Vliets Bilder in der Galerie Werner.

Matthias Reichelt

„I hate to talk about art“, bekennt Don Van Vliet in seiner bedächtig langsamen Art mit dunkler Stimme in einem Filmporträt von Anton Corbijn. Sein Galerist Michael Werner hingegen spricht ganz gern über Kunst. Werner hatte Don Van Vliet Mitte der achtziger Jahre als Maler bekannt gemacht. Bis dahin war der Künstler der Welt eher als Captain Beefheart bekannt, der mit seiner Magic Band viele vom Blues und großer Experimentierfreudigkeit beseelte Alben aufgenommen und vor allem mit der von Frank Zappa produzierten Doppel-LP „Trout Mask Replica“ (1969) Musikgeschichte geschrieben hatte.

Der Don, wie ihn sein Galerist nennt, wenn er sich seiner respektvoll erinnert, ist 2010 an Multipler Sklerose gestorben. Schon lange vor seinem Tod hatte sich Van Vliet von der Musik abgewandt, sie hatte ihn schlicht zu langweilen begonnen. Der Malerei jedoch ist er treu geblieben, solange seine Krankheit es zuließ. Nach der ersten Ausstellung in der Galerie Werner 1985 folgten zahlreiche weitere, in Köln wie auch in New York, oftmals von Katalogen begleitet. Auf diese Weise haben sich in den Jahren ihrer freundschaftlichen Geschäftsbeziehung viele Werke Van Vliets bei Michael Werner angesammelt. Eine Auswahl davon, Arbeiten mit Tusche, Gouache und Aquarell auf Papier, ist nun in Werners auf dem Lande gelegener Galerie eine halbe Autostunde südlich von Berlin zu sehen.

Don Van Vliet arbeitete oft mit gedeckten und naturverbundenen Farben, wie sie in der Mojave-Wüste wiederzufinden sind. Dort hat er eine Zeit lang gelebt, bevor er mit seiner Frau Janet nach Nordkalifornien zog. Mit gestisch breitem Pinselstrich hat er allerlei Getier auf den Bildern verewigt. Ziegen, Heuschrecken, Käfer sind dort ebenso erkennbar wie manches Gewürm, Schlangenhaftes oder Andeutungen von Landschaft in nahezu abstrakten Gemälden. Die Arbeiten im Format 21,9 x 35,7 cm bis 77,2 x 57,2 cm (3500 bis 9000 €) laden zu längerer Betrachtung ein und zeigen, dass Don Van Vliet nicht zu den eher fragwürdigen malenden Rockmusikern gehörte, die sich besser auf die Tonkunst hätten konzentrieren sollen. Reduktion von Formen auf wesentliche Linien, sparsame Andeutungen mit ausufernden und schwungvoll expressiven Strichen lassen einen Mikrokosmos entstehen, der wilde Assoziationen freisetzt.

Schon früh wurden seine Bilder übrigens auch von A. R. Penck geschätzt, der ebenfalls mit einer Doppelbegabung als Maler und Schlagzeuger ausgestattet ist und Michael Werner auf Van Vliet aufmerksam machte. In einem Text zur ersten Ausstellung in Köln schrieb Penck über Don Van Vliet: „Tief aus dem Bereich des Unterbewussten erscheinen Bilder von der dämonischen Tierabhängigkeit des Menschen.“ Matthias Reichelt

Galerie Michael Werner, Alte Parkstr. 3, 40959 Trebbin; bis 22.3., Mo–Fr 11–16 Uhr

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