Kultur : Menschen ohne Maske

FRANK PETER JÄGER

Seine Reisen entlang der Mittelmeerküste dürften zu den glücklichsten Monaten im Leben Max Peiffer Watenphuls gezählt haben: "Abends sind Feste mit Feuerwerk und Musik, das Meer köstlich, die Küste bevölkert von jungen Göttern . . .", schreibt er 1933. Die Götter waren irdisch genug, sich auf Fotografien bannen zu lassen. In Neapel, Gaeta, Positano und auf Ischia entstehen Porträts von jungen Männer, die bereitwillig in erotischer Pose posieren.

Als Maler schuf Watenphul vor allem Ansichten italienischer Städte und Landschaften. Sein erhaltenes fotografisches Werk umfaßt gerade sechzig Arbeiten. Diesen Aspekt in Watenphuls Schaffen greift jetzt erstmals eine Ausstellung im Bauhaus-Archiv auf. Nur in der kurzen Spanne zwischen 1930 und 1934 beschäftigte sich Watenphul mit Fotografie. Sein Hauptinteresse gilt den malerischen, in Rom und Umgebung erhaltenen Relikten der römischen Kaiserzeit, Tempelfragmenten, Grabmälern und Bildnissen der Götter. Daneben entstehen stimmungsvolle Stadtansichten, etwa des beleuchteten Petersdoms bei Nacht.

Italien wird sein Werk fortan bestimmen. Bis auf wenige Lebensabschnitte, in denen der Künstler in Weimar, Krefeld und Berlin Lehraufträge an Kunstschulen innehatte, ist er auf Reisen und meist knapp bei Kasse. Eindringlicher als Watenphuls römische Bilder sind seine Porträts. Außer den erotischen Männerbildnissen entstehen Aufnahmen seiner Freundin Florence Henri und anderer Vertrauter, die große Experimentierfreude mit dem neuen Medium verraten. Die Frauen lichtet er am liebsten grell geschminkt, mit viel Schmuck, mit Fächer und anderen Accessoires ab. Erstaunlich, wie schwelgerisch und glückstrunken man an Süditaliens Küste noch leben konnte, als überall in Europa die Diktatoren aufmarschierten und der Faschismus seinen Schatten vorauswarf.

Bauhaus-Archiv Berlin, Klingelhöfer Str. 14, bis 29. August; Mittwoch bis Montag 10-17 Uhr, Katalog 22 DM

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