Kultur : Menschenfreund

Harald Schumann

Sie ist vermögend. Sie ist klug. Und sie ist eine Philosophin mit großen Skrupeln und noch größerem Tatendrang. Aus dieser Mischung hat Alexander McCall Smith, Professor für Medizinrecht im schottischen Edinburgh, virtuos eine Romanheldin komponiert, die dem Leser das Herz erwärmt. Aus Überzeugung mischt sie sich in Dinge ein, die sie nichts angehen, weil „der Beruf des Philosophen es eben mit sich bringt, dass man sich engagiert“.

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Schon zum zweiten Mal stürzt sie sich in einen Fall, wie es ihn wohl niemals geben wird. Doch das Rätsel – ein Mann mit transplantiertem Herzen, der vom Mörder des Spenders träumt – ist nur eins der vielen Themen, die Isabel Dalhousie ins Grübeln bringen. Genauso intensiv berät sie mit ihrer Haushälterin die Frage, ob es moralisch vertretbar sei, das Frühstücksbufett im Hotel für ein unbezahltes Lunchpaket zu plündern oder was Voltaire mit der Gartenarbeit zu tun hat. Zu erfahren ist auch, warum „die Deutschen für ihre moralische Rigorosität Respekt verdienen“, warum „man die Italiener einfach lieben muss“ und Edinburgh trotzdem die beste aller Welten ist.

Unwiderstehlich und höchst amüsant führt die Herausgeberin der „Zeitschrift für angewandte Ethik“ den Leser auf diesem Weg in die alltäglichen Abgründe der Moralphilosophie und zu den schönen Seiten der schottischen Lebensart. Irgendwie geht es auch stets darum, dass der Heldin der Mann fürs Leben fehlt, ihre Nichte mit Männern nicht umgehen kann und Isabel deren Ex-Freund anhimmelt, der leider zu jung für sie ist. Unüberlesbar ist, dass hier ein Menschenfreund schreibt, dem der Humor die wichtigste Tugend ist. Ein literarisches Antidepressivum vom Feinsten!

Alexander McCall Smith: Das Herz des fremden Toten. Roman. Aus dem Englischen von Thomas Steger. Blessing Verlag, München. 290 S., 16, 50 €.

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