Kultur : Mentaler Terror

Peter Herbstreuth

rechnet mit dem Gröbsten Dieses Wochenende eröffnen drei Ausstellungen, die sich alle um Ereignisse drehen: real, reproduziert oder eingebildet. In der Galerie Olaf Stüber treten die Aktionisten Poison Idea auf (Max Beer Straße 25; bis 21. Februar). Sie feiern eine Party mit DJ, Theke und Vernichtung derselben. In Hamburg ließen sie 11000 Fliegen durch einen Ventilator in die Menge blasen. In Hannover engagierten sie zehn Rocker, um die Bar in Stücke zu schlagen. Mittlerweile rechnet man mit dem Gröbsten. Doch nur dort findet Überraschung statt, so Wilhelm Busch, wo man sie nicht erwartet. Poison Idea zelebriert Begleiterscheinungen und inszeniert ganz unmetaphorische Boshaftigkeiten zum Weitererzählen. Nur für Verspielte.

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Grusel, Horror, Geisterbahn bei müllerdechiara (Weydingerstraße 10; bis 12. März, Eröffnung heute 18 Uhr). Christoph Draeger hat mit Katastrophen, Gewalt und Zerstörung Karriere gemacht. Je grausiger und medial hochgereizter das Ereignis, desto besser taugt es ihm für Nachahmungen. So auch bei dem Film „Construction Infernalis“, der dem „mentalen Terror und Wahnsinn ein Bild geben“ will. Stets erkennt man die Zitate und fahndet nach Draegers künstlerischer Fassung. Seine infernalischen Konstruktionen mischen Genres und Klischees zum Bildungsspiel mit Material aus Film, Funk, Fernsehen und rechnen mit dem frivolen Thrill des Publikums beim Wiedersehen mit dem Terroranschlag 1972 in München oder mit einer Variante von Kubricks „Shining“. Der Künstler segelt im Wind von „Themen“ und moderiert den Schrecken als Unterhaltung – für Grufties ein Höllenspaß.

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Maler gehen mit Ereignissen anders um. In einer Raum-Gefühl-Bewegung sollen sich die Bilder während der Betrachtung ereignen – so bei Jim Harris in der Galerie Rekord (Brunnenstraße 162; Eröffnung heute 19 Uhr). Er ist ein Profi-Freiluftmaler. Seine Leinwände tragen die Spuren von Kämpfen mit Wind und Wetter. Das wirkt sich auf die satt gegerbten Farblichtreflexionen aus, weniger auf das Sujet Landschaft (Preise von 1100 Euro bis 5000 Euro). Aber zwischen Scheibitz-Geometrien und Havekost-Blick ist noch Platz für die Dramatisierung des Bildraums mit plötzlich sich öffnenden Detailperspektiven – für Kenner.

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