Menzen trifft Muthesius : Stahl und Stockrosen

Seit zehn Jahren öffnet das Ehepaar Josephine und Anton Zebralla seinen Garten für die Kunst. Der Reiz besteht in der Begegnung zeitgenössischer Skulptur mit einem Bauwerk des Moderne-Architekten Hermann Muthesius, dem Landhaus de Burlet.

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Stockrosen. Den Garten der Muthesius-Villa zieren unter anderem diese klassischen Sommerblumen.
Stockrosen. Den Garten der Muthesius-Villa zieren unter anderem diese klassischen Sommerblumen.Foto: Imago/blickwinkel

Der Südwesten Berlins ist für das Kunstvolk momentan wahnsinnig angesagt. Die Berlin Biennale hat sich aus der hippen Mitte an den grünen Rand bewegt und in den Dahlemer Museen sowie dem Haus am Waldsee Quartier bezogen. Die Nachbarn nehmen es gelassen, sie waren schon vorher da und werden bleiben. Doch lohnt es sich für anreisende Gäste, neben den neuen Trampelpfaden der aktuellen Kunst auch Seitenwege einzuschlagen – und mutig eine Gartenpforte zu öffnen.

Zum zehnten Mal laden Anton und Josephine Zebralla ins Landhaus de Burlet (Schlickweg 12, bis 13. 7., Sa / So 14–18 Uhr), wo sie auf ihrer Wiese vier Wochen lang Skulpturen präsentieren. Diesmal zeigt der Berliner Künstler Karl Menzen seine abstrakten schlanken Stahlskulpturen, die passenderweise immer wieder die Bezeichnung „Lineament“ im Titel tragen. Sie befinden sich hier in einem denkmalpflegerisch gehegten Garten: Birken führen am Haus entlang, Rabatten rahmen die Terrasse. Als Prachtbau in der Mitten steht eine der bekannten Stadtvillen von Hermann Muthesius.

Für den Kunsthändler Charles de Burlet, der im Adlon eine Galerie unterhielt, schuf der Architekt hier 1911 ein wunderschönes Heim, in dem er auch noch Kunst verkaufen konnte. Die Hängeleisten unter der Decke des Wohnzimmers zeugen davon. Hier endet auch schon der Rundgang durch das Haus; schließlich geht es um zeitgenössische Skulptur und nicht den berühmten Erbauer, auch wenn die Ausstellung „Menzen trifft Muthesius“ überschrieben ist. Wer auf den Geschmack gekommen ist, kann sich beim Biennale-Besuch im Haus am Waldsee gleich den Audio-Guide „Architektur der Moderne“ ausleihen. Im Südwesten der Stadt gibt es noch so manches Gartentor zu öffnen.

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