Kultur : Messels Lulu

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Er habe, schrieb der Architekturkritiker Adolf Behne in einem Nachruf auf den Berliner Stadtbaurat Ludwig Hoffmann, „in dieser Stadt mehr gebaut als alle Schlüter, Eosander, Knobelsdorff, Gontard, Langhans und Schinkel zusammen“.

Geblieben ist von dem zwischen 1896 und 1930 entstandenen umfangreichen Berliner Werk Hoffmanns jenseits der Tatsache, dass vieles heute noch steht, erstaunlich wenig. Julius Posener, der Doyen der Berliner Architekturgeschichte, brachte es auf den Punkt: Vergessen und begraben sei Hoffmanns stets taktvolle Baukunst. Zu Unrecht, repräsentierten doch „Geschmacksinseln“ wie das Rudolf-Virchow-Krankenhaus oder der Märchenbrunnen im Friedrichshain im steinernen Meer der Großstadt die lächelnde Seite der wilhelminischen Sozialreform.

Im Sommer 2002, in dem sich Hoffmanns Geburtstag zum 150. Mal jährt, scheint das Desinteresse endgültig zu weichen – und hat irritierender Konzeptionslosigkeit Platz gemacht. Statt einer konzertierten Aktion – etwa als Vorausleistung eines künftigen Berliner Architekturmuseums – wird es zwei konkurrierende Ausstellungen geben. Ende Juli eröffnet in Hoffmanns Märkischem Museum eine vom Architekten- und Ingenieur-Verein, der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung, der Stiftung Stadtmuseum und dem Landesarchiv verantwortete Schau. Neben Hoffmanns zahlreichen Schulen, Badeanstalten und Sozialbauten wird ebenso sein Meisterstück, das 1896 in Leipzig eingeweihte Reichsgericht, sowie seine lebenslange Freundschaft mit dem Architekt Alfred Messel erstmals genauer in den Blick genommen. Das Vertrauen Messels zu seinem Busenfreund „Lulu“ war schließlich nach 45 Jahren so ungetrübt, dass er Hoffmann auf dem Sterbebett die Ausführung des Pergamonmuseums antrug.

Seit Anfang dieser Woche zeigt die Akademie der Künste im Künstlerhof Buch eine von Jonas Geist zusammengestellte Dokumentation des Hoffmannschen Oeuvres. Doch außer dem in der Ausstellung erhältlichen Faltblatt, das zu eigener Erkundung des benachbarten Areals der einstigen städtischen Irrenanstalt einlädt, bleibt die Auswahl in ihrer optischen wie inhaltlichen Kargheit ärgerlich. Dabei gäbe es Stoff genug, denn noch ist die Zukunft der bis 2005 von einer privaten Klinik genutzten Bucher Heillandschaft ungeklärt. Für über 100 denkmalgeschützte Hoffmann-Bauten müssen dann neue verträgliche Nutzungen gefunden werden. Michael Zajonz

Künstlerhof Buch, bis 7. Juli Di bis Fr 15-19 Uhr, Sa/So 11-20 Uhr.

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