Kultur : Messer im Bild

Akademie der Künste: Ehrung für Thomas Eller

Jens Hinrichsen

Wer Thomas Ellers Fotoarbeiten betrachtet, fühlt sich beobachtet. Eller stellt sich als Pappkamerad in Landschaften hinein, baut sich vor Kunstwerken von Jackson Pollock oder Barnett Newman auf und präsentiert sich in Form von Aufstellern oder überlebensgroßen Konterfeis auch im Ausstellungsraum (Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, bis 21. 5.) Anlass der Schau ist die Verleihung des Käthe-Kollwitz-Preises (10 000 Euro) an Eller, mit dem seit 1960 unter anderen Willi Sitte, Martin Kippenberger und Peter Weibel geehrt wurden. Ein Grund, stolz zu sein. Dabei tritt in Ellers Selbstporträts das Gegenteil eines aufgeplusterten Egos auf: Fotoassemblagen, in denen der Künstler mit unnatürlich langgestreckten Messern im eigenen Fleisch wühlt, weiden sich in Selbstzerstörungsfantasien. Theater der Grausamkeit: Auf einem Kriegspanorama zerschneiden Düsenjäger, Panzer und blutstarrende Wunden die Figur des Künstlers. Abscheu hält sich die Waage mit morbider Faszination. Der Preisträger irritiere „unsere Sehgewohnheiten auf ebenso konkrete wie subtile, bisweilen poetische Weise“, heißt es in der Jury-Begründung.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben