Kultur : Messer in Menschen

JULIAN HANICH

"Justino": Ein Stierkämpfer wird zum SerienmörderVON JULIAN HANICHJustino ist Spanier.Justino ist alt.Justino hat ein Messer.Das alles hat damit zu tun, daß Justino (Saturnino Garcia) auch ein Serienkiller ist.Und das geht so: Nachdem der Stierkämpfer - wider Willen! - in Ruhestand gehen muß, ist seine Laune beschissen.Ein grumpy old man, der sich betrinkt, sich durch die körnigen Schwarz-Weiß-Bilder dieses Films schleppt und ziemlich genervt ist.Aber: Nach seiner letzten Vorstellung als todbringender Held der Arena hat man ihm das silbernfunkelndste Messer seiner Karriere überreicht.Und weil man mit Messern nicht nur Stiere in den Nacken stechen kann, sondern auch Menschen, fängt der Mordskerl sogleich damit an.Je mehr er träumt, desto näher kommt er seinem Traum: An den Strand von Benidorm will er abhauen mit seinem Kumpel Sansocito (Carlos Lucas).Ein Paradies für alte Männer.Psychologie darf man hier nicht erwarten, der Film soll ja eine schwarze Komödie sein und der Humor wahrscheinlich so trocken wie bei Kaurismäki.Trocken ist er schon - knäckebrottrocken nämlich.Ein Film, der unbedingt skurril sein will, aber nur komisch ist - unfreiwillig.Stutzig macht immerhin, daß die Regisseure Luis Guridi und Santiago Aguilar, die sich La Cuadrilla nennen, mit diesem statischen Low-Budget-Werk in Spanien einige Preise gewonnen haben.Aber, das wissen wir von den deutschen Komödien: Humor tut sich schwer in fremden Landen."Justino" jedenfalls ist zweite Liga.Wer den derzeitigen spanischen Meister sehen will, der schaut sich Ammodovars "Live Flesh" an. Eiszeit (OmU)

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