Messiaen-Festival im Radialsystem : Ach, ihr süßen Vogelstimmen

Lieder und Kammermusik in fünf Veranstaltungen: Das Radialsystem feiert zu Ostern den französischen Komponisten Olivier Messiaen.

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Sie war zu Ostern im Radialsystem zu sehen und zu hören: Die Sopranistin Marie-Laure Garnier.
Sie war zu Ostern im Radialsystem zu sehen und zu hören: Die Sopranistin Marie-Laure Garnier.Foto: Marion Chaix

Den „Geist der Freude“ wollen die Messiaen-Osterfesttage im Radialsystem vermitteln. In insgesamt fünf Veranstaltungen sind hier Lieder und Kammermusik vor allem aus dem frühen Schaffen des französischen Komponisten bis 1945 zu erleben. Doch die Programmierung von Eric Schneider – vor allem als Klavierpartner renommierter Sänger wie Christine Schäfer oder Matthias Goerne geschätzt – zeigt zumindest im Auftaktkonzert ein etwas einseitiges Bild.

Ein wenig rätselhafte Schwärmerei erfüllt das Frühwerk „La mort du nombre“ (Der Tod der Zahl), 1930 im Studienabschlussjahr am Pariser Conservatoire geschrieben, in dem sich „zwei Seelen“ trotz irdischer Widrigkeiten vereinen. Als sein eigener Textdichter mischt der Komponist das religiöse Pathos eines Paul Claudel mit surrealen Einsprengseln. Ein vokales und ein instrumentales Duo stehen einander gegenüber: die Sopranistin Marie-Laure Garnier und der Tenor Florian Hoffmann mit volltönender Emphase, der Geiger Sebastian Bohren und Schneider am Klavier mit differenzierterer Zurückhaltung. Fast noch romantisch, zwischen Liszt und Debussy changierend, beruft sich der opulente Klavierpart auf Wasserplätschern, Glockenklänge und Vogelstimmen, worin sich das Ganze schließlich zu einer schwer erträglichen Süße aufschwingt.

Ungelenke deutsche Übersetzungen der Liedertexte

„Poèmes pour Mi“ für Sopran und Klavier entstand sechs Jahre später für Messiaens früh verstorbene erste Frau, die Geigerin und Komponistin Claire Delbos. Reizvoll sind hier gewiss die kristallinen, modal gereihten Klavierklänge, die bereits auf den reifen Messiaen etwa der „Vingt regards“ vorausweisen. Doch Differenzierungen und kontrastierende Ideen spielen sich mehr oder weniger instrumental ab. Die Stimme verbleibt oft wenig konkret auf der Basis „eintönigen“ Psalmodierens, was Garnier zumeist mit opernhafter Klangfülle und hörbaren Piano-Mühen versieht. Wenn hier der „Schrecken“ blutiger Erinnerungen mit „ha, ha, ho“ beschworen, gar die „Verlängerung des Gemahls durch die Gemahlin“ bejubelt wird, kann dies befremdlich bis unfreiwillig komisch wirken.

Lieder sind komplizierte Gebilde, beschwert durch eine oftmals nicht mehr als zeitgemäß empfundene Sprache. Vielleicht hätte man besser auf die ungelenken deutschen Übersetzungen der leicht schwülstigen Texte verzichtet. Auch die reine Stimmglanzentfaltung wird der Fragilität dieser Wort-Ton-Verbindungen nicht immer gerecht. Darunter leidet nicht zuletzt Debussys „Cinq Poèmes de Baudelaire“, deren Einfallsreichtum gleichwohl fasziniert.

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