Kultur : Metronom tickt

VOLKER STRAEBEL

Das Kammerensemble Neue Musik Berlin ist derzeit präsent wie keine andere Formation seines Metiers in der Stadt.Die Musiker, die sich breiter Unterstützung von Akademie der Künste, Kultursenator und Podewil erfreuen und unter der Hand bereits als ein mögliches "Ensemble Modern" von Berlin gehandelt werden, haben ihrer üblichen Konzert- und Tourneetätigkeit nun auch eine Kammerreihe zur Seite gestellt.In Prenzlauer Berg gewährt ihnen die Galerie Parterre Quartier für dichte Abende in intimer Besetzung.

So gibt es Gelegenheit, die aus den Ensemble-Konzerten vertrauten Instrumentalisten solistisch zu erleben.Die engagierte Oboistin Gudrun Reschke etwa, die zusammen mit Adam Weisman am Schlagwerk drei Virtuosenstücke der letzten Jahre glanzvoll meisterte.Harrison Birtwistle verlangte ihr in "Pulse Sample" (1981) mit langen Bögen aus Pattern- oder Einzeltonrepetitionen und ruhig schwebenden Haltetönen enormes Gestaltungsvermögen ab.Daß sie dieses in agogischer wie klanglicher Hinsicht wie selbstverständlich aufbrachte, ließ seltene Ansatzprobleme verschmerzen.

Der andere Engländer des Abends, der dem Kammerensemble als ständiger Gastposaunist verbundene Andrew Digby, etablierte in "Vase de ..." vom vergangenen Jahr ebenfalls einen perkussiven Puls, diesmal jedoch nicht mit lebendigen Claves sondern mit einem starr tickenden elektrischen Metronom.Von diesem ausgezählte Pausen durchsetzten Reschke und Weisman mit Oboeninstrumenten und farbig austarriertem Schlagzeug - kurze Klanggesten im langen Fluß der Zeit, den Haltetöne oder Cymbal-Wirbel bald dem instrumentalen Verlauf annähern.

Ein ruhiges, wohl proportioniertes Stück Musik, das in seiner überschaubaren Anlage größere Spannung zu erzeugen vermochte als der aggressive Xenakis ("Dmaathen", 1976), mit dem Reschke und Weisman ihr gelungenes Recital eröffneten.

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