Kultur : Metropol-Theater: Die siegenden Holländer

KM

"Wir wollen Theater machen, keinen Gewinn", entfuhr es Maik Klokow, Geschäftsführer der Stage Holding Deutschland, als er das Nutzungskonzept für das von ihm erworbene Berliner Metropol-Theater auf einer Pressekonferenz darlegte. Er widersprach Erwartungen, dass das von dem niederländischen Medienmogul Joop van den Ende gegründete Entertainment-Unternehmen in Berlin vor allem profitable Musical-Hits, für die es die Lizenzen hält, herausbringt. Die Stage Holding will das traditionsreiche, baufällige Haus an der Friedrichstraße mit 60 bis 80 Millionen Mark in Stand setzen und 2003 mit einem eigens entwickelten Musical-Programm eröffnen. Die Sanierungskosten werden durch den Verkauf angenzender Grundstücke aufgebracht, die das Unternehmen für einen symbolischen Kaufpreis von 1 Euro erworben hatte.

Berlins Kultursenator Christoph Stölzl verteidigte seinen Entschluss, den aus Landesmitteln nicht mehr zu rettenden Admiralspalast an einen privaten Investor abzugeben. Sein vorrangiges Ziel sei es, geschlossene Theater "wieder zu öffnen", sagte er. Durch wen das geschehe, ob durch einen privaten Unternehmer oder die öffentliche Hand, sei zweitrangig. Dass das Metropol-Theater einem Senatsbeschluss zufolge als Operetten-Haus geführt werden müsste, kümmert den Kultursenator nicht. "Ich habe die strenge Unterscheidung zwischen Musical und Operette nie teilen können", sagte er, "das Musical ist die historische Verlängerung der Operette." Auch Krokow, der den künftigen Spielplan vorläufig nur skizzieren konnte, glaubt nicht, dass die Operette in einem von der Stadt verordneten "Zwangskorsett" wiederbelebt werden kann. So wird sich sein Unternehmen Stoffe erschließen - im Gespräch sind "Die drei Musketiere", sowie eine Geschichte von Hans Christian Andersen oder etwas aus der deutschen Mythologie - und sie als Musical-Originale herauszubringen. Das modernisierte Theater wird über 1 750 Plätze und einen neuen Bühnenturm verfügen, der aufwendige Musical-Inszenierungen möglich macht.

Stölzl lobte die mit hohem wirtschaftlichen Risiko behaftete Initiative der Niederländer. Er sieht darin offenbar jene Blüte des "unterhaltenden Elements" heraufdämmern, die Berlin bislang schmerzlich vermissen ließ, wie er jüngst verlautete. Dass Metropol-Theater und Theater des Westens in Zukunft mit nahezu identischen Aufgabenprofilen um dasselbe Publikum werben werden, indem sie eigenständig Stoffe entwickeln und zur Uraufführung bringen, ist ihm Beleg dafür. Für eine Verschärfung des Wettbewerbs spricht auch, dass die Stage Holding sich derzeit um ein zweites Theater in Berlin bemüht. Krokow bestätigte, dass auch über das Schiller Theater nachgedacht werde. Doch auch ein Theaterneubau käme in Frage, um die zahlreichen in der europaweit operierenden Bühnen-Gruppe zirkulierenden Produktionen in Berlin zeigen zu können.

0 Kommentare

Neuester Kommentar