Kultur : Metropol-Theater: "Titanic"-Musical im untergegangenen Operettenhaus

Frederik Hanssen

Das passt ja wie die Faust aufs Auge: Der holländische Entertainment-Produzent "Stage Holding" möchte im Berliner Metropol-Theater gerne ein "Titanic"-Musical spielen! Ausgerechnet in dem vor drei Jahren mit Mann und Maus untergegangenen Operettenhaus sollen die Zuschauer allabendlich einem absaufenden Musikdampfer zujubeln. Vielleicht sollten die Amsterdamer U-Musik-Verkäufer da doch lieber eine andere ihrer 69 Bühnenproduktionen auswählen - falls die Holländer überhaupt den Zuschlag für das Ex-Theater bekommen. Heute ist der letzte Tag, an dem potenzielle Bewerber ihr Konzept bei der Berliner Kulturverwaltung einreichen können. Auf der Basis dieser Unterlagen will dann Senator Christoph Stölzl zügig entscheiden, welchem Kandidaten er zutraut, die von der Koalition festgeschriebenen Auflagen zu erfüllen: das Metropol ohne staatliche Zuschüsse zu sanieren und dann zu bespielen. Von "Operette" steht nichts in den Bedingungen. Die Wiederbelebung des alten Metropol-Theaters hat sich die Politik längst abgeschminkt. Jetzt will man das marode Haus so schnell wie möglich an einen zahlungskräftigen Investor loswerden.

Da hat die "Stage Holding" gute Chancen: Mehr als zehn Millionen Besucher weltweit spülen jede Menge Gulden in die Kassen des Unternehmens, das jetzt massiv auf den deutschen Markt drängt. Nachdem Berlins Ober-Entertainer Peter Schwenkow den Holländern jüngst die Stella-Musicals für 40 Millionen Mark weggeschnappt hat, versuchen die nun, den deutschen Markt durch die kalte Küche zu erobern: Nach dem Hamburger Buddy-Holly-Musical soll im März 2001 in Essen der Wien-Import "Elisabeth" herauskommen. Mit der Metropol-Theater-Bewerbung aber will man Schwenkow in seiner Heimatstadt attackieren. Um dessen "Glöckner" Konkurrenz machen zu können, scheint den Niederländern jedes Mittel recht: So luden sie kurzerhand den gesamten Kulturausschuss des Abgeordnetenhauses zu einer Gratis-Reise nach Holland ein: zwecks "gegenseitigen Kennenlernens". Das riecht nach einem richtig heißen Konkurrenzkampf, bei dem hoffentlich auch etwas für das Musical-Fußvolk herausspringt - zum Beispiel sinkende Kartenpreise. Blieben nur noch die heimatlosen Operettenfans. Hier sollten sich die Festspiele barmherzig zeigen: Indem sie die beiden letzten deutschen Operetten-Häuser aus Dresden und Leipzig regelmäßig ins neue Gastspielhaus Freie Volksbühne einladen.

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