Kultur : Miau!

Der Kater danach: „Garfield 2“

Anna Mielke

Dürfen die das? Haben sie Garfield etwa Ecstasy eingetrichtert? Wer die legendären Comic-Strips von Jim Davis schätzt, den gruselt es gleich. Der zynische, lethargische Anti-Held tanzt und springt und kampfsportelt in „Garfield 2, Seine Majestät ist zurück“, als gäbe es kein Morgen mehr. Schon als vor zwei Jahren Teil eins ins Kino kam, entsetzten sich die Fans – „Garfield“ fehlte die Story, zudem nervte Thomas Gottschalks Synchronstimme beträchtlich.

Doch es gibt Fortschritt in der Welt: „Garfield 2“ verfugt über einen erkennbaren Handlungsstrang, und außerdem leiht Oliver Kalkofe Garfield seine Stimme. Dass Regisseur Tim Hill den dicken, computeranimierten Kater hyperaktiv präsentiert, ist dagegen wohl den Zwängen des Familien-Animationsfilms geschuldet – und insofern verzeihlich.

Eine solide Verwechslungskomödie haben die Drehbuchautoren Joel Cohen und Alec Sokolow zurechtgestrickt: Aus dem amerikanischen Vorort verschlägt es Garfield nach London. Herrchen John reist seiner geliebten Tierärztin Liz hinterher, um ihr einen Heiratsantrag zu machen. Um das zu torpedieren, flieht Garfield aus seiner Tierpension und versteckt sich in Johns Tasche. In London wird Garfield mit dem blaublütigen Kater Prince verwechselt und wohnt fortan auf dessen Landsitz in Südengland, inklusive Himmelbett und einer Schar willfähriger Diener. Macht korrumpiert, folglich benimmt sich Garfield übel: Er frisst, schläft und macht die Untergebenen herunter.

Liebevoll und handwerklich brillant wird der tierische Hofstaat in Szene gesetzt, was für alle Mängel des Films entschädigt. Die Tiere menscheln in Schweinchen-Babe-Manier; dahinter allerdings verblassen die menschlichen Darsteller. Schwach bleibt vor allem Garfields Herrchen John, der viel zu gutaussehend und erfolgreich daherkommt. Am Ende gibt ihm Liz sogar noch das Jawort. Huch!

In 20 Berliner Kinozentren

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