Kultur : Michael Bublé

Diese Woche auf Platz 4 mit: „It’s Time“

Ralph Geisenhanslüke

Im Jazz-Gesang hat sich eine sonderbare Arbeitsteilung eingestellt. Frauen, vorzugsweise aus skandinavischen Ländern, spielen Eigenkompositionen, gern in der Grauzone zwischen Jazz und Singer/Songwriter. Männer, vorzugsweise angloamerikanische, treten das Erbe der Swing-Ära an. Frauen verwirklichen sich selbst, Männer pflegen das Handwerk.

Geprägt wurden diese Rollenmodelle durch zwei herausragende Figuren der letzten Jahre: Norah Jones und Robbie Williams mit seinen Sinatra-Anwandlungen. Die Plattenfirmen versuchen naturgemäß, weiter in diese Kerben zu schlagen. Zusätzlich gibt es auch alle Jahre wieder einen Swing-Hype. In dieser Saison macht sogar Paul Anka (Platz 41) mit: Nirvanas „Smells Like Teen Spirit“ als Big-Band-Nummer. Aber das sollte nicht den Blick verstellen, auf die Talente, die da nachwachsen. Peter Cincottis grandiose Funk-Version von „I Love Paris“ etwa. Oder Michael Bublé, der mit einer krachenden Version von Nina Simones Hit „Feeling Good“ einsteigt und mit Gershwin und Cole Porter ebenfalls souverän die Kurve kriegt.

Bublé stammt aus Vancouver und erhielt musikalische Früherziehung – das lassen seine Vorlieben ahnen – durch seinen Großvater. Er trägt gern einen schwarzen Anzug mit locker sitzender Krawatte. Bei diesem Dresscode kommt in jeder zweiten Kritik unweigerlich der absurde Sinatra-Vergleich. Als Bublé geboren wurde, 1980, war Sinatra auch schon Großvater. Aber das muss den Nachwuchs-Crooner aus Kanada nicht einschüchtern. Von seinem Debüt wurden vier Millionen Einheiten verkauft. Bis Bublé mit seinen Enkeln vor der Plattensammlung sitzt, werden noch ein paar hinzukommen. Kanadier halten lange durch. Das hat schon Paul Anka bewiesen, der den Text von „My Way“ schrieb. Anka hatte seinen ersten Hit mit 16.

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