MICHAEL SCHULTZ : Cornelia Schleime

Claudia Wahjudi

Zu viel Nähe ist gefährlich. Vor Cornelia Schleimes neuen Bildern weichen Besucher der Galerie Schultz einen Schritt zurück, so distanzlos hat die Berliner Malerin Menschen überlebensgroß porträtiert: hier einen Mann, in dessen welke Haut Schellack Altersflecken geätzt hat, dort eine junge Frau mit Schweiß auf der Stirn, hier Hasenzähne, dort depressive Schatten unter den Augen.

Dabei geht es doch in Schleimes Einzelausstellung um das meist besungene Hochgefühl, die Liebe. Nähe aber scheint auch den abgebildeten Paaren nicht zu bekommen. Halbnackte Frauen wenden sich von lauernden Liebhabern ab, eine Dunkelhaarige horcht am Herz eines Mannes, der daliegt wie ein Toter. Mit dicken Schichten von Asphaltlack und vielen formalen Anspielungen auf Jugendstil und Symbolismus hat die 1953 geborene Künstlerin beklemmend enge Bildräume geschaffen, in denen Begegnungen an Machtkämpfen und Einsamkeit scheitern. So sieht das konventionelle Konzept von Liebe nun wirklich nicht aus.

Es scheint, als habe Schleimes im Frühjahr erschienener Roman „Weit fort“ über eine Liebe im langen Schatten der Staatssicherheit hier seine bildliche Fortsetzung gefunden, in neun Gemälden, von denen die Mehrzahl bereits vor der Eröffnung verkauft war. Verspielter verhandelt Schleime das Begehren in ihren Aquarellen. Das Kunstbuch „Lust“, das parallel zur Ausstellung im Prestel Verlag erschienen ist und ausliegt, zeigt in handsignierten Faksimiledrucken auf Papyrus filigran getuschte Frauen bei allerhand ironisch überspitzten, erotischen Handlungen.

Den Blick der Künstlerin interessieren hier allein Frauenakte, Männer kommen nicht vor. Da hält sich Cornelia Schleime dann doch an die Konvention. Claudia Wahjudi

Galerie Michael Schultz, Mommsenstr. 34; bis 27.5., Di.–Fr. 10–19, Sa. 10–14 Uhr.

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