Migration : Deutschland immer stärker auf Zuwanderung angewiesen

Zuwanderung ist im Interesse der deutschen Wirtschaft, sagt der Top-Ökonom Fratzscher. Bereits seit längerem fordern Wirtschaftsverbände einen besseren Zugang ausländischer Fachkräfte zum deutschen Arbeitsmarkt.

Asylsuchende treffen mit Koffern in der Zeltstadt der Zentralen Anlaufstelle für Asylbewerber in Halberstadt (Sachsen-Anhalt) ein. Mit dem Aufbau einer provisorischen Zeltstadt auf dem Gelände der Einrichtung soll die Kapazität zur Aufnahme für Zuflucht suchende Menschen aus Kriegs- und Krisenregionen deutlich erhöht werden.
Asylsuchende treffen mit Koffern in der Zeltstadt der Zentralen Anlaufstelle für Asylbewerber in Halberstadt (Sachsen-Anhalt)...Foto: Jens Wolf/dpa

Deutschland braucht aus Sicht des Wirtschaftsinstituts DIW ein Einwanderungsgesetz. „Zur Sicherung des Wohlstands ist Deutschland immer stärker auf Zuwanderung angewiesen“, sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, am Samstag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Als Grund nannte er den zunehmenden Mangel an Fachkräften und die demographische Entwicklung. „Wir benötigen ein Einwanderungsgesetz, das die Zuwanderung lenkt und auch die Interessen der deutschen Wirtschaft berücksichtigt.“

In den ersten drei Monaten gilt für Asylsuchende: prinzipielles Arbeitsverbot

Die Bundesregierung dürfe nicht länger die Augen vor der Realität verschließen, kritisierte Fratzscher. CDU und CSU lehnen bislang ein Einwanderungsgesetz mehrheitlich ab, allerdings deutete sich zuletzt Bewegung in der Frage an.

Die deutsche Wirtschaft benötige von der deutschen Asyl- und Zuwanderungspolitik mehr Planungssicherheit. Fratzscher: „Niemandem ist geholfen, wenn Asylbewerber nach einer erfolgreichen Integration doch ausgewiesen werden.“ Alle Zuwanderer, gleich ob aus der EU oder von außerhalb, bedeuteten „prinzipiell eine große Chance“ für Deutschland. Auch Asylsuchende könnten einen wertvollen Beitrag für die deutsche Wirtschaft leisten.

Allerdings ist es für Asylbewerber generell schwierig, in Deutschland einen Job zu ergattern. In den ersten drei Monaten gilt ein Arbeitsverbot.

Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) hatte am Donnerstag erneut einen besseren Zugang für ausländische Fachkräfte zum deutschen Arbeitsmarkt gefordert. „Der Bedarf der Unternehmen an qualifizierten Fachkräften bleibt hoch“, hatte Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer erklärt. Auch unter den Asylbewerbern seien viele, die kaum Chancen auf Asyl hätten, aber am Arbeitsmarkt gebraucht würden.

In Deutschland könnte die Zahl der Erwerbspersonen bis 2030 um acht Millionen sinken

Der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, hatte am Donnerstag gesagt, die Behörde rechne mit 100 000 arbeitssuchenden Asylbewerbern in diesem Jahr. Wegen des demografischen Wandels werde die Zahl der Erwerbspersonen bis zum Jahr 2030 voraussichtlich um acht Millionen zurückgehen, hatte BA-Vorstandsmitglied Raimund Becker gesagt. Bislang ist das Asylsystem strikt von anderen Zuwanderungsoptionen getrennt. Flüchtlinge können aus einem laufenden Asylverfahren heraus kein Arbeitsvisum beantragen. (dpa)

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