Kultur : Milde waltet

Mit Beatrix: Festkonzert in der Philharmonie

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Lakaien im Foyer der Philharmonie. Der Sekt vorm Konzert auf eigens angereisten königlichen Tabletts. Blumengebinde auf den Balustraden, Beete voller Gerbera vor der Bühne im Saal. Nein, denkt man zuerst, so viel Zeremonie, so viel Monarchie gehört nicht in den Scharoun-Bau, diese so urdemokratische Architektur im Geiste der „Klassik für alle“. Aber es funktioniert wunderbar. Das Publikum, neugierig auf Königin Beatrix aus den Niederlanden, wandelt auf den Treppen und Umgängen der Philharmonie, eine mobile Menschenskulptur hoch über den Köpfen der Royals. Und da alle Sitzplätze von jeder Saaltür aus zugänglich sind, stellen auch die Sicherheitsabsperrungen kein Problem dar. Erkundet man das Gebäude eben mal auf anderen Wegen.

Hohe Kunst der Tonarten-Diplomatie. Nachdem sich alle erhoben haben, als Ihre Majestät, Prinzessin Maxima, Prinz Willem Alexander und der Bundespräsident ihren Plätzen in Block B entgegenstreben, stimmt das Koninklijk Concertgebouworkest unter Mariss Jansons eine derart fröhlich-energische deutsche Nationalhymne an, dass selbst Antipatrioten mit deren auftrumpfendem Ton versöhnt sein dürften. Die niederländische Hymne erklingt prompt in der gleichen Tonart – als sei’s Musik aus einem Guss.

Janine Jansens Anmut bei Mendelssohns Violinkonzert, die Virtuosität, mit der sie Vibrato und Bogendruck variiert, ihre feine Art, dem Festkonzert zum Staatsbesuch eine Atmosphäre der Intimität und Innigkeit zu verleihen – auch das macht die Schlechtwetterfront draußen vor der Tür vergessen. Das Concertgebouworkest folgt ihr auf Zehenspitzen: Mendelssohns Schluchzer sind zu vornehmer Wehmut stilisiert; bei so viel mildem e-Moll vermisst man das ungestüme Sentiment, das dem Werk ja auch innewohnt. Brahms’ 4. Sinfonie verwandelt sich dem an. Der Anfang weht wie eine Klangduftwolke herbei, sogar das PassacagliaThema des Finalsatzes gewinnt Klangflächencharakter. Jansons liebt das bis zum letzten Bogenmillimeter ausgestrichene Legato und die Schönheit formvollendet abgeschliffener Kanten – bei sportlich angezogenem Tempo. So vermeidet er jedes bräsige Pathos und springt zum Schlussakkord elegant in die Luft. Königliche Leichtigkeit! Christiane Peitz

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