Kultur : Milosevic-Prozess: Vorbild: Die Nürnberger Prozesse

Die juristische Aufarbeitung der Balkan-Kriege in Den Haag gilt als größtes Kriegsverbrecherverfahren seit den Nürnberger Prozessen. Nach der bedingungslosen Kapitulation der Deutschen im Zweiten Weltkrieg einigten sich die Alliierten im August 1945 im Londoner Abkommen auf die juristischen Grundlagen und schufen den Internationalen Militärgerichtshof für die Verfahren gegen die Nazi-Größen. Mit der gerichtlichen Strafverfolgung der NS-Verbrechen sollten nicht nur die Täter zur Rechenschaft gezogen, sondern auch neue Maßstäbe für das Zusammenleben der Völker gesetzt werden.

Am 18. Oktober 1945 wurde in Berlin Anklage gegen 24 Hauptkriegsverbrecher erhoben. Unter ihnen waren Hitlers Stellvertreter Rudolf Hess, Reichsfeldmarschall Hermann Göring und Rüstungsminister Albert Speer. Ihnen wurde Verschwörung gegen den Weltfrieden, Planung, Entfesselung und Durchführung eines Angriffskrieges, Verbrechen und Verstöße gegen das Kriegsrecht sowie Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen. Am 20. November 1945 begann im Nürnberger Justizpalast der eigentliche Prozess. Nürnberg wurde wegen der besonderen Rolle der Stadt in der Nazizeit als Gerichtsort gewählt. Die Nationalsozialisten hielten dort ihre pompös inszenierten Reichsparteitage ab. Nach zehneinhalbmonatiger Verhandlung verhängten die vier Richter aus den USA, Frankreich, Russland und Großbritannien zwölf Todesurteile und sieben Haftstrafen zwischen zehn Jahren und lebenslänglich. Drei Angeklagte wurden freigesprochen. Zehn der zwölf Todesurteile wurde am 16. Oktober 1946 vollstreckt. Göring hatte sich seiner Strafe zuvor durch Selbsttötung entzogen. Martin Bormann, engster Mitarbeiter Adolf Hitlers, war in Abwesenheit zum Tode verurteilt worden. Heute gilt als sicher, dass er Anfang Mai 1945 ums Leben kam.

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