Kultur : Miss Marple aus Haselhorst

Ades Zabel alias Karin Höhne fährt „18.15 Uhr ab Ostkreuz“

Matthias Oloew

Karin Höhne freut sich auf ihr Kaffeekränzchen in Alt-Glienicke. Doch als die ehemalige Grundschullehrerin aus Haselhorst in ihrem Zug „18.15 Uhr ab Ostkreuz“ Zeugin eines Mordes in einer parallel fahrenden S-Bahn wird, ist ihre Neugier geweckt. Umso mehr, weil die Polizei ihrer Geschichte keinen Glauben schenkt und sie Ermittlungen aufnimmt.

Die Fans der Miss-Marple-Filme sind sofort im Bild: Hier wird die Geschichte von „16.50 Uhr ab Paddington“ neu erzählt. Mehr noch: Karin Höhne zitiert bei ihren Recherchen, die sie ins Wilmersdorfer Friseur-Milieu führen, aus allen vier Miss-Marple-Filmen, die Margaret Rutherford in den 60er Jahren gedreht hat. Und auch aus anderen Krimi-Klassikern, wie „Stahlnetz“.

Gerda Höhne ist eine der drei Figuren, die Ades Zabel sein Alter Ego nennt. Der Berliner Fangemeinde des gepflegten Trashs ist Edith Schröder, die „Futschi“- trinkende Neuköllner Hausfrau, zwar bekannter, aber eine detektivische Ader haben Zabel und Drehbuchautor Jörn Hartmann eher der Grundschullehrerin aus Haselhorst zugetraut.

Hartmann ist auch der Regisseur. Die Low-Budget-Produktion ist sein zweiter Film – 80 000 Euro hat sie gekostet. Dreieinhalb Wochen wurde in Berlin gedreht, kürzer als geplant, aber das Geld reichte nicht. Den Frisiersalon, in den die Ermittlungen führen, hat er im Studio nachgebaut, das Interieur dafür hat er selbst für 500 Euro bei Ebay ersteigert. Dort macht es Gerda Höhne wie Miss Marple – die sich als Haushälterin verdingte oder einer Laienschauspieltruppe anschloss – und nimmt einen Job als Friseurin an, um besser Nachforschungen anstellen zu können. Eine ihrer Kundinnen gibt Eva Ebner – „18.15 Uhr ab Ostkreuz“ ist ihr letzter Film. Die Schauspielerin ist in dieser Woche verstorben.

Unterstützt wird Gerda Höhne bei ihren Ermittlungen von ihrer besten Freundin Rosa Brathuhn – „das ist quasi unsere Misses Stringer“, erklärt Hartmann. Die Rolle spielt Andreja Schneider („Geschwister Pfister“). Sie für diesen Film zu gewinnen, fiel Hartmann nicht schwer: „Wir trafen uns zufällig bei Lidl, sie hat sofort ja gesagt.“

Gesehen hat den fertigen Film noch niemand, nicht einmal Hauptdarsteller Ades Zabel. Hartmann, der in Personalunion nicht nur Autor und Regisseur, sondern auch noch Schnittmeister ist, hat das Werk erst in der Nacht zu Donnerstag fertig gestellt.

Ades Zabel ist aber trotzdem sicher, seine Gerda Höhne nicht noch einmal als Detektivin antreten zu lassen – wegen der Latex-Tränensäcke. „Die musste ich mir immer ankleben, und die sind ätzend.“ Auf der Bühne kommt die Ex-Lehrerin ohne aus.

Heute 22 Uhr im Cinestar 3, Sonnabend, 18. Februar, 20 Uhr im Cinestar 3, Berliner Premiere am 3. April, Kinostart: 6. April

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