Kultur : Missfits: Mittwochsgefühle, Donnerstagsgefühle

Ulrich Amling

Das haben sie nun davon. Umgeben sich programmatisch "Jetzt mit noch mehr Männer" - und landen damit nicht nur grammatisch im Abseits. Ja, die Missfits, Deutschlands meist besuchtes und -ausgestrahltes Frauenkabarett, haben ihre Herren-Band aufgestockt und beschweren sich über die damit verbundene Geruchsbelästigung: "Da hätte man auch Puma-Wärterin werden können", sind sich die Lustgreisinnen Lisbett und Matta alias Gerburg Jahnke und Stephanie Überall einig. Und im Publikum kullern Hunderten von Frauen, die glauben, keinen hygienisch einwandfreien Partner erwischt zu haben, Lachtränen über die mit Quenty Fourty versorgten Wangen.

Mit energischem Zugriff bauen die Missfits so etwas wie einen Frauenstammtisch in der Berliner Columbiahalle auf - und weil der Saal eher groß als intim und eher hässlich als anheimelnd ist, muss auf der Bühne alles noch viel größer und hässlicher sein, als die Originalität es erlaubt. Jahnke und Überall rufen ihren Fans zu, dass es der Humor ist, der einem noch bleibt, wenn die Katastrophen des Lebens - die Männer, das Alter - ihr marodierendes Werk vollbracht haben.

Und dann riecht es auf einmal streng, und Schuld daran sind nicht die Puma-Musiker, die durch die Stäbe ihres Bühnenkäfigs uriniert haben. Die Missfits wandeln auf einem schwappenden Morast abgestorbener Witze und erdrosselter Pointen. Und es macht ihnen nichts aus. Droht die "orale Inkontinenz" abzuebben, schlüpfen die Oberhauserinnen schnell in die nächste Rolle, saugen sabbernd das Bühnenblut aus Figuren, die sie in über zehn Kleinkunst-Jahren aufgebaut haben: die Lehrerinnen Frau Lehmann-Brack und Frau Noelle, die Mutter-Söhnchen Theophil und Eckerhardt, die Lebedamen Inge Schnick und Ablaß Krause - ehedem ans Herz gewachsene Lieblinge, jetzt Opfer eines schlingenden Show-Vampirismus.

"Mein Gott, es gibt so viele stillose Trinker", lallt die Krause und weiß gar nicht, wie recht sie damit hat. Anschließend werden am Missfits-Devotionalienstand bündelweise schwarze T-Shirts verkauft, auf denen prangt: "Wenn de Mittwoch überlebt hast, is Donnerstag." Wenn du die Show verdaut hast, kommt sicher die nächste.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben