Kultur : Mit 16 sind wir weg

Nachtstücke, Tagträume: Zur Verleihung der „First Steps“-Filmpreise in Berlin

Julian Hanich

Gut frisiert, sehr gut gekleidet, bestens gelaunt: Wenn die „First Steps Awards“ verliehen werden, zeigt die Filmbranche ihr allerfreundlichstes Antlitz. Warum auch nicht? Schließlich werden auf der Bühne des Musicaltheaters am Potsdamer Platz 72 000 Euro Preisgelder an den Nachwuchs verschenkt. Mit stolzgeschwellter Brust umarmt man sich gegenseitig und klopft sich auf die Schulter. Das ging am Mittwochabend so weit, dass dem ehemaligen „Spiegel“-Chefredakteur und langjährigen Sponsor von „First Steps“, Stefan Aust, ein Ehrenpreis verliehen wurde. Den Abend moderierte Nina Eichinger, deren Vater Bernd über die Produktionsfirma Constantin ebenfalls lange als Sponsor beteiligt war (Tsp. vom 27. 8.).

Der Höhepunkt der Jovialität ist erreicht, als Mitveranstalter und Teamworx-Chef Nico Hofmann den Klaus auf die Bühne ruft – gemeint ist Berlins Regierender Bürgermeister. Wowereit bedankt sich artig für die zahlreichen Arbeitsplätze, die in Berlin durch die Filmwirtschaft entstanden sind, und empfiehlt dem Publikum, mit der Hand in der Hosentasche: „Macht weiter so, ’ne.“ Man kennt sich halt.

Irgendwann kommen die Filmemacher selbst dran. Obwohl die „First Steps“Preise für die besten Hochschul-Abschlussfilme bereits zum neunten Mal verliehen werden, hat es noch nie einen Doppelsieger gegeben. Diese Ehre wird Regisseur Hanno Olderdissen von der Internationalen Filmschule Köln zuteil. Nachdem er die Preis-Statue in der Kurzfilmsparte für sein Kindstötungsdrama „Robin“ davongetragen hat kann er sich eine weitere für den besten Werbefilm abholen. Sein Clip „Stunt“ wird gemeinsam mit Christian Mielmanns „Busballett“ (Filmakademie Ludwigsburg) ausgezeichnet.

Den Preis für den besten Lang-Spielfilm erhält „Nacht vor Augen“, ebenfalls aus Ludwigsburg. Brigitte Maria Bertele erzählt in ihrem beim Berlinale-Forum uraufgeführten Gegenwartsdrama von einem jungen Soldaten, der traumatisiert vom Einsatz in Afghanistan in sein Schwarzwälder Heimatstädtchen zurückkehrt. Und der der beste mittellange Film , „Mit sechzehn bin ich weg“ von Mark Monheim (HFF München), beobachtet eine desillusionierte Teenagerin, die mit ihrer zerrütteten Familie in eine fremde Stadt zieht und dort neu anfangen muss.

Getötete Kinder, traumatisierte Kriegsveteranen, vernachlässigte Jugendliche: Dem Regie-Nachwuchs ist offenbar nach ernsten Themen zumute. Immerhin porträtiert der Dokumentarfilm-Preisträger Niko Apel in „Sonbol“ (wieder aus Ludwigsburg, dieses Jahr der „First Steps“Champion unter den Hochschulen) auf erfrischend heitere Weise eine Frau aus dem iranischen Mittelstand: Sonbol ist Zahnärztin, Rallyefahrerin und immer für freche Witze gut. Einer davon geht so: Gott wird von einem Journalisten interviewt. „Warum haben Sie zuerst den Mann geschaffen und dann die Frau?“ Gottes Antwort: „Sie machen sich doch auch zuerst Notizen auf einem Schmierzettel, bevor Sie den Artikel schreiben.“

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