Kultur : Mit dem Bus zu Gott

PERFORMANCE

Julia Büttner

In zwei geschmückten Bussen traten etwa 70 Kulturgänger eine Pilgerfahrt an, um im herbstlichen Berlin das Paradox inszenierter Wunder zu erleben. Vor den Augen der „Heiligen Bernadette von Berlin“ (Sachiko Hara-Franke) sollten sich – so sah es das Konzept von Cora Frost vor – „Die 7 Wunder von Berlin“ materialisieren. Wie zu erwarten, waren diese eher bizarr als wundersam. Auf der Großbeerenbrücke in Kreuzberg balancierte der „Bierdosenheilige“ eine Büchse auf dem Kopf, das dargestellte Wunder sollte die Selbstliebe sein – der Zusammenhang blieb im Dunkeln. Die „Erschaffung der Welt“ durchs Hören fand in der Zionskirche statt, dort tanzte eine Frau mit Kind auf dem Arm, zu dem sie angeblich durch Hören himmlischer Klänge gekommen war. Danach gab es eine Klangcollage und Glühwein. Vollends albern wurde die Geschichte im ehemaligen Sitz der Zeitung „Neues Deutschland“, wo auf einem blumengeschmückten Altar das Wunder „Hoffnung“ in Person eines Jungen, der als „Knigge-Buddha“ vorgestellt wurde, ein Kapitel über korrektes Verhalten im Konzert las. Cora Frost übrigens wurde erst gegen Ende versteckt hinter einer Säule gesichtet. Die letzten drei Wunder kann man nächsten Sonntag erleben, Abfahrtsort und Tickets telefonisch unter 449 70 42. Geboten wird unter anderem eine Begegnung mit Gott.

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